Geschichte des Kerpener Karnevals

Kerpen ganz jeck

  • Anfänge bis 1945
  • Nach dem 2. Weltkrieg
 
 Von den Anfängen bis 1945

Anhand der für das Kerpener Stadtgebiet überlieferten Quellen ist nicht genau nachzuweisen, seit wann hier Karneval gefeiert wird. Anders als in Köln, Aachen und Düsseldorf, wo Fastnachtsfeiern durch Verbote der jeweiligen Obrigkeit seit dem 14. und 15. Jahrhundert nachgewiesen sind, gibt es für die sie umgebenden Territorien wie das Herzogtum Jülich-Berg oder das Kurfürstentum Köln, in denen die Kerpener Stadtteile lagen, kaum entsprechende Nachweise. Auch für den Bereich der Herrschaft Kerpen fehlen solche Reglementierungen. Seit etwa 1650 beklagten die Landesherren immer wieder, dass sich die Kerpener Bevölkerung in den Wirtshäusern zu sehr dem schädlichen Kartenspiel hingab und dabei den wirtschaftlichen Ruin riskierte. Verderblicher Einfluss von Fastnachtsfeiern wurde jedoch an keiner Stelle genannt. Reichsgraf August von Schaesberg, der um 1780 eine ganze Reihe von Gesetzen in seiner Herrschaft erließ, kümmerte sich dabei auch nicht um Reglementierungen, die in irgendeiner Form Fastnachtsfeiern betrafen. Sein Verbot vom 13. Januar 1787 galt z.B. in erster Linie dem Glücksspiel, darüber hinaus untersagte er den Alkoholausschank in Kerpen.

 

Das Fehlen von schriftlich fixierten Verboten der Karnevalsfeiern bedeutet nicht zwangsläufig, dass hier keine derartigen Fastnachtsbräuche üblich waren. Es muss allerdings genauso wenig darauf hindeuten, dass sich die hier eingesetzte Obrigkeit – sei es die jülich-bergische, die kurkölnische oder die burgundisch-spanische – diesbezüglich toleranter zeigte. Möglicherweise ist es ein Hinweis darauf, dass die Fastnachtsfeiern in unseren ausschließlich ländlich geprägten Gemeinden weniger exzessiv geübt wurden und die öffentliche Ordnung daher nicht gefährdeten.

Ob in den beiden im 13. Jahrhundert gegründeten Zisterzienserinnenklöstern in Blatzheim und Bottenbroich Karneval gefeiert wurde, ist ebenfalls nicht nachzuweisen. Die Tatsache, dass allgemein auch in den Klöstern kräftig Karneval gefeiert wurde, steht jedoch zweifelsohne fest – möglicherweise also auch in Bottenbroich und Blatzheim.

Die Inhaber der im Stadtgebiet existierenden Schlösser und Burgen in Bergerhausen, Hemmersbach, Lörsfeld und Türnich standen teilweise als hohe Beamte in den Diensten der jeweiligen Landesherren in Düsseldorf als der jülich-bergischen Hauptstadt und Bonn als dem Sitz des Kölner Erzbischofs. Die Anwesenheit dieses Teils der Kerpener Bevölkerung bei entsprechenden Fastnachtsveranstaltungen in Köln, Düsseldorf und Bonn ist daher ziemlich wahrscheinlich. Ob allerdings „rauschende“ Feste auf den Kerpener Schlössern gefeiert wurden, ist nicht überliefert.

Ein erster Hinweis auf mögliche Veranstaltungen anlässlich Fastnacht findet sich in einer Akte aus dem Jahr 1714. In diesem Jahr verpachtete Arnold Dietrich von Leers als Herr von Lörsfeld das „frey adeliche allodial hauß zu löersfeld“ an Hermann Petzer. U.a. wurde vereinbart, dass zu den jährlichen Pachtleistungen die Lieferung eines Fastnachtskalbes gehört: „[…] künftigh zu entrichten, sodann jedes Jahr umb fastnacht ein kalb und umb ostern ein lamb […]“. Dieser Hinweis lässt in jedem Fall den Schluss zu, dass ein Fastnachtsmahl gefeiert wurde, denn nach Fastnacht war der Verzehr von Kalbfleisch nicht mehr gestattet. Dass dabei reichlich gegessen und getrunken wurde, steht sicher außer Zweifel. Ob es auch Vermummungen, Tanz und darüber hinaus ähnliche Ausschweifungen gab wie andernorts, kann nur vermutet werden.

Weitere Hinweise aus dem 18. Jahrhundert konnten bislang nicht gefunden werden. Für die Zeit der französischen Herrschaft und den Übergang an Preußen sind bislang keine Quellen zu Karnevalsaktivitäten in den Kerpener Stadtteilen bekannt geworden. Dass den protestantischen Preußen das katholisch geprägte Fastnachtstreiben in ihrer neuen Rheinprovinz mehr als suspekt war, belegt lebhaft die Allerhöchste Kabinetts-Ordre von König Friedrich Wilhelm III. vom 20.03.1828, der darin das rheinische Volksfest als „amoralische in polizeilicher Hinsicht bedenkliche Volkslustbarkeit“ erklärte und gleichzeitig Maskeraden und Maskenzüge auf die größeren Städte beschränkte, wo sie von alters her üblich waren.

Vermutlich beantragte der (übrigens protestantische) Kerpener Bürgermeister Alexander Wolff 1842 beim seinerzeitigen Landrat Raitz von Frentz die Durchführung einer Maskerade oder eines Umzuges, denn in einem Antwortschreiben des Landrats vom 15. Januar 1842 hieß es: „Ich eröffne Euer Wohlgeboren auf den Bericht vom heutigen Tage, Nr. 54, das nach der A(llgemeinen) C(abinetts-)O(rdre) von 20. März 1828 in den Rheinprovinzen Karnevalsmaskeraden nur in denjenigen größeren Städten erlaubt sind, wo sie herkömmlich von Alters her stattgefunden haben. In kleineren Städten (also auch in Kerpen) sind demnach dergleichen Maskeraden gänzlich verboten. Schlenderhahn, der Landrath Raitz von Frentz.“ Die abschlägige Antwort wurde vorsorglich auch allen anderen Bürgermeistern zur Kenntnis gebracht, wohl um weitere Anträge dieser Art von vornherein zu unterbinden. Zu dieser Zeit führten eigentlich nur Karnevalsgesellschaften solche Umzüge durch. Trotzdem bleibt die Vermutung, in Kerpen habe es 1842 bereits eine Karnevalsgesellschaft gegeben, die einen Zug durchführen wollte, eher spekulativ.

Mitglieder der seit 1751 auf der Burg Hemmersbach residierenden Familie Berghe von Trips, feierten offensichtlich, da sie bis weit in das 19. Jahrhundert immer einen Wohnsitz in Düsseldorf hatten, Karneval in Düsseldorf. Das Lustspiel von Shakespeare „Was Ihr wollt“, das anlässlich einer Faschings-Feier am 29. Februar 1840 aufgeführt wurde, besuchten wohl Ignaz Berghe von Trips und Elisabeth von Lemmen, die zu dieser Zeit die Burg Hemmersbach wieder aufbauen ließen. Von einem Maskenfest der Künstlergesellschaft „Malkasten“, das am 14. Februar 1852 stattfand, sind nicht nur Eintrittskarten, sondern auch kolorierte Lithographien über mittelalterliche und neuzeitliche Kostüme dieses Festes überliefert, an dem vermutlich Eduard Franz Oskar Clemens Berghe von Trips und seine Gattin Bertha Gräfin von Quadt-Wickrath teilnahmen. Wie bereits eingangs erwähnt, wurden in den umfassend überlieferten Archivalien der Familie bislang keine Nachweise über Festlichkeiten auf der Burg gefunden.

Bevor es in Kerpen zur Gründung erster Karnevalsvereine kam, die satzungsgemäß ausschließlich karnevalistischen Zwecken dienten, übernahmen andere Kerpener Vereine und Gastwirte diese Funktionen. Seit Erscheinen des Intelligenzblattes für den Kreis Bergheim wiesen sowohl Gastwirte als auch andere Veranstalter im Anzeigenteil dieses hier neuen Mediums auf ihr karnevalistisches Programm hin. Die zahlreich erschienenen und oftmals ansprechend und witzig gestalteten Annoncen sind eine wichtige Quelle für karnevalistische Aktivitäten insbesondere vor den Vereinsgründungen.

Die erste Karnevalsveranstaltung, die schriftlich für Kerpen nachgewiesen ist, fand danach am Fastnachtsdienstag, dem 17.02.1863, in der Gaststätte Erkens in Horrem statt. Mehr ist darüber nicht bekannt, man weiß daher nicht, ob es sich um eine Sitzung, einen Maskenball, ein Konzert oder sonstiges handelte.

Die Kerpener Kolpingfamilie veranstaltete am 7. Februar 1869 – nur 3 Wochen nach ihrer Gründung - ihre erste karnevalistische Veranstaltung. Präses Ermter berichtete von der am Fastnachtsmontag stattgefundenen Sitzung folgendes: „In der heutigen zahlreich besuchten Sitzung herrschte eine recht gemütliche Stimmung. Nachdem die Herrn Esser und Kuhlmann launige Vorträge gehalten hatten, erfreute der H(err) Vicepräses Menser die Versammlung durch eine längere carnevalistische Rede, die durch häufige Beifallsbezeigungen unterbrochen wurde. Gegen Schluß der Sitzung erschien noch ein vierbeiniger Bewohner Africas, ein Kamel, das glaubwürdigen Berichten zufolge, sich im Parrig in einem Stropp gefangen hatte, und zeigte seine Künste.“ Mit dieser Sitzung leitete die Kolpingfamilie eine mehr als 100jährige Tradition ein, die schließlich in der Beteiligung an der Pfarrsitzung der Pfarre St. Martinus mit dem Motto „Drei unter einem Hut“ seit dem Jahr 1976 mündete. Die Aufführung von Liedern und Theaterstücken, später von Sitzungen und Tanzveranstaltungen wurde zur jährlich wiederkehrenden Tradition im Kolpinghaus.

Schließlich kam es in Kerpen zur Gründung eines ersten Karnevalsvereins. Das Bergheimer Intelligenzblatt, später Bergheimer Zeitung, vom 4. Januar 1873 berichtete, dass sich Karnevalsfreunde zur Vereinsgründung bei Gastwirt Rohe in Kerpen trafen. Die Gründungsversammlung muss gut verlaufen sei: schon für den 19.01.1873 konnte die neue und wohl älteste Kerpener Karnevalsgesellschaft, die „Ulkmänner“, zu einer „großen Sitzung“ einladen, der schon in dieser ersten Session noch vier weitere Veranstaltungen folgten. Lokal der Ulkmänner, die jeweils als „Die 11“ zu ihren Veranstaltungen einluden, war das Kerpener Hotel Brand am Stiftsplatz . Etwa zeitgleich hatte sich auch in Horrem eine erste Vereinigung gegründet: Das „Comité“ lud für den 20. Januar 1873 zur „einzigen vernünftigen zweiten närrischen Sitzung“ in das Lokal von Arnold Buntenbroich ein. Beide Vereine traten nur 1873 in Erscheinung.

1873 muss für Entwicklung des Karnevals in den Kerpener Stadtteilen, darüber hinaus auch für den Kreis Bergheim, ein wichtiges Jahr gewesen sein. Das Bergheimer Intelligenzblatt sah sich sogar veranlasst, zu den Karnevalstagen eine Sonderbeilage herauszugeben. Es wurde für zahlreiche Bälle, karnevalistische Unterhaltungen und Musikaufführungen in Horrem, Hemmersbach, Kerpen und Sehnrath geworben. In den weiteren 1870er und 1880er Jahren gingen karnevalistische Aktivitäten in Kerpen in erster Linie von verschiedenen Gesangs- und Musikvereinen aus, nur ein Turnverein tauchte in dieser Zeit als Veranstalter auf. Dass der Kerpener Kolpingfamilie diesbezüglich eine Sonderrolle zukam, wurde schon erwähnt, weil sie in beispielloser Kontinuität karnevalistische Veranstaltungen durchführte, die offensichtlich auch bekannt und beliebt waren. 1877 fasste der Vorstand den Beschluss, dass auf die „Festversammlung am Fastnachtssamstag“ in der Presse geworben werden soll. Es sollten Programme ausgegeben und 500 [!] Karten gedruckt werden. Noch 1889 war der „Gesellenverein“ der einzige von sieben in Kerpen existierenden Vereinen, der karnevalistische Veranstaltungen durchführte. Überwiegend warben jedoch die Gastwirte selbst für die bei ihnen stattfindenden Veranstaltungen. Gefeiert wurde bis weit nach der Jahrhundertwende anscheinend ausschließlich an den Karnevalstagen, und zwar Sonntag, Montag und Dienstag.

In Sindorf und Sehnrath fanden die Feste in den Lokalen Wilkens und Schmitz statt. Für Veranstaltungen in Mannheim und Buir wurde erstmals 1882 bzw. 1883 geworben, sie wurden bei Joseph Kleu in Manheim und bei Harff in Buir veranstaltet. Die Mödrather feierten seit 1883 bei Keymer, die Türnicher seit 1887 bei der Witwe Natzheim und die Kerpener in dieser Zeit entweder im Hotel Brand am Stiftsplatz, bei Peter Voihs oder bei Reiner Klosterhalfen.

Ende der 1880er Jahre setzen auch die Überlieferungen der Gemeindeverwaltungen ein. Die jeweiligen Veranstalter mussten die geplanten Festlichkeiten bei der Gemeinde genehmigen lassen. Man muss zwar davon ausgehen, dass nicht alle Akten erhalten sind und uns somit kein komplettes Bild aller karnevalistischen Aktivitäten vorliegt, aber die im Stadtarchiv vorhandenen Materialien erlauben, ein anschauliches Bild der Verhältnisse wieder zu geben. In den Akten existieren außerdem zahlreiche Satzungen der nun gegründeten Karnevalsgesellschaften, die nicht nur Einblick in die jeweilige Organisationsstruktur vermitteln, sondern anhand der beigefügten Mitgliederlisten auch Auskunft über Anzahl und Zusammensetzung der Mitglieder geben. Die Formulierungen in den Anträgen dokumentieren anschaulich das distanzierte Verhältnis der hiesigen Bevölkerung zur deutlich preußisch geprägten Obrigkeit. Selbst die damals noch von der Regierung eingesetzten Gemeindebürgermeister durften die Entscheidung über die Genehmigung von Veranstaltungen oft nicht selbst treffen, sondern mussten die Anträge an den Bergheimer Landrat Bergheim weiterleiten. Nachfolgend werden Beispiele von seinerzeit wohl alltäglichen Situationen geschildert.

1888 zeigte der Türnicher Polizeidiener die verwitwete Gastwirtin Eliese Aussem an, die in ihrem Lokal eine Musikaufführung veranstaltet hatte: „Unterzeichneter Polizeidiener habe in Erfahrung gebracht, dass die auf der Seite genannte Witwe Körfgen trotzdem das derselben von Euer Wohlgeboren das Musik halten in den Fastnachtstagen verboten und die Musikerlaubnis verweigert worden, dem Verbot zuwider am Montag den 13 dieses Monats in ihrem Tanzlokale eine Tanzmusik gehalten und gedultet zu haben…“ Die Höhe ihrer Strafe ist nicht bekannt. Die Wirtin beantragte nichtsdestotrotz auch 1889 die „Abhaltung einer Tanzmusik“ am Fastnachtsmontag in ihrem Lokal, was auch gewährt wurde.

Peter Voihs war - wie bereits erwähnt - einer der Kerpener Gastwirte, der seit den 1870er Jahren in seinem Saal Karneval feierte. Auch 1891 beantragte er bei Bürgermeister Becker, „einen Maskenball wie in den früheren Jahren“ zu erlauben. Becker leitete diesen Antrag mit nachfolgender Bemerkung urschriftlich weiter nach Bergheim: „da das Abhalten von Tanzmusik an den Fastnachtstagen in Kerpen althergebracht ist, erlaube Euer Hochwohlgeboren ich mir gehorsamst zu bitten, mich hochgeneigtest ermächtigen zu wollen, daß ich die erbetene Erlaubnis unter Ausdehnung der Polizeistunde bis Nachts 2 Uhr ertheilen darf.“ Landrat Herwarth von Bitterfeld genehmigte den Maskenball ohne weitere Auflagen. Was in diesem Zusammenhang „althergebracht“ in konkreten Zeitangaben bedeutet, lässt sich nicht bestimmen.

In den nächsten Jahren kam es fast im gesamten Kerpener Stadtgebiet zur Gründung von Karnevalsgesellschaften. Während für die Zeit von 1873 bis 1894 weder in den Akten des Stadtarchivs noch in der Bergheimer Zeitung ein Karnevalsverein genannt wurde, gründeten sich zwischen 1894 und 1914 mindestens 14 Gesellschaften in Kerpen, Horrem, Türnich und Blatzheim. Die „Kerpener Narrenzunft“ war dabei die einzige Gesellschaft, die sich mit Gründungsjahr 1894 noch im 19. Jahrhundert konstituierte. 1901 wurde der „Der kleine Rath Türnich“ gegründet. Zwischen 1903 und 1914 folgten die Horremer Narrenzunft, der Karnevalistische Reichstag Horrem, die Vereinigten Horremer KG’s, die Horremer Große KG Frohsinn, die KG Kömmet Keene Kerpen, die Grielächer Kerpen, die Uuzbröder Kerpen, die KG Et es ratsch niks mi doh Horrem, der Dilettanten-Klub Einigkeit Horrem, die Horremer KG, die KG Gemütlichkeit Kerpen und die Blatzheimer KG. Davon existieren noch zwei Gesellschaften in Kerpen und Horrem, die beide 2008 ihr 100jähriges Jubiläum begehen: die KG Große Horremer von 1908 e.V. und die KG Gemütlichkeit Kerpen 1908 e.V.

Während die überlieferten Satzungen der Karnevalsgesellschaften jeweils von einer dauerhaften oder zumindest mehrjährigen Existenz ihres Vereins ausgingen, galt dies für die 1914 gegründete Blatzheimer KG offensichtlich nicht. Wie es für die ersten nach 1823 im Rheinland gegründeten Vereine üblich war, bestand noch 1914 die Gesellschaft in Blatzheim nur „bis einschließlich Fastnacht Dienstag“.

Die Statuten der 1894 gegründeten „Kerpener Narrenzunft“ nannten als Zweck der Karnevalsgesellschaft neben des Feierns der Faschingszeit explizit, am „Fastnachtsmontag einen Maskenball und Maskenumzug“ zu veranstalten. Man kann davon ausgehen, dass spätestens 1894 ein Umzug stattfand, möglicherweise auch schon früher. 1896 beantragte der Präsident der Narrenzunft, A. Schmoll: „Der Unterzeichnete erlaubt sich in seiner Eigenschaft als Präsident der hiesigen Carnevals-Gesellschaft an Euer Wohlgeboren das Gesuch zu richten, die Erlaubnis zu dem beabsichtigten Maskenzug am Fastnachts-Montag, den 17. des Monats, geneigtest ertheilen zu wollen. Der Zug wird in ähnlicher Weise wie in den früheren Jahren abgehalten werden.“ Also hat schon in den Jahren vor 1896 ein Umzug am Fastnachtsmontag stattgefunden. Die Antwort des 1. Beigeordneten Dominick überliefert übrigens den ersten Gebrauch des Begriffes „Rosenmontag“ für Kerpen. Er benutzte allerdings in der in den Akten befindlichen Zweitschrift beide Begriffe, sowohl Fastnachts- als auch Rosenmontag, nämlich übereinanderstehend. Interessant ist, dass die Genehmigung des Zuges an eine besondere Bedingung geknüpft wird: „Auf Ihr Gesuch vom 10. Februar cr. gebe ich Ihnen hiermit zur Kenntnis, daß die Erlaubnis zur Abhaltung eines Zuges am Fastnachts/Rosenmontag [beide Varianten!] nur unter der Bedingung erteilt wird, daß bei der am Sonntag, den 16. Februar cr. im Hotel Niggemeyer stattfindenden Damensitzung lokale Sachen durchaus vermieden werden müssen. Sollten derartige Sachen trotz des Verbotes vorgebracht werden, so ist die Abhaltung des Zuges untersagt. Der Bürgermeister. In Vertretung Dominick“. Welche „lokalen Sachen“ unerwähnt bleiben müssen, ist leider nicht bekannt. In diesem Zusammenhang sollte nicht unerwähnt bleiben, dass der Beigeordnete Dominick selbst ein Lokal führte, in dem ebenfalls karnevalistische Veranstaltungen stattfanden und er sich also durchaus in einer Interessenskollision befand, wenn er seiner Konkurrenz die Abhaltung von Veranstaltungen genehmigte. <hrdata-mce-alt="20. Jahrhundert" title="Teil I" class="system-pagebreak" />

Schon 1897 hatte der Kerpener Zug einen stattlichen Umfang erreicht: in der Bergheimer Zeitung wurde für einen 47 Wagen umfassenden Zug mit Musik- und Fußgruppen geworben. Für den Rosenmontagszug 1899 ist sogar die Zugaufstellung überliefert: „Unterzeichneter bittet das wohllöbliche Bürgermeisteramt erg. um Ertheilung der Erlaubnis zur Abhaltung des Rosenmontags-Zuges am 13. Februar 1899 nachmittags von 2 Uhr. Hochachtend, Adolf Kühbacher, Präsident der Carnevals-Gesellschaft Narrenzunft. Zugordnung: Vorreiter etc. 1. Wagen „Die Waldschenke vom Flotte Jüpp“, 2. Cigeunerwagen, 3. Wagen „der Stiftsplatz im Jahre 2000“, 4. Wagen Prinz Carneval. Außerdem 1 Musikkapelle und einige kleinere Fußgruppen.“ Diese Information ist aus zwei Gründen besonders interessant: Einerseits wird hier die Existenz eines „Prinz Carneval“ für Kerpen nachgewiesen, andererseits das visionäre Wagenthema „Der Stiftsplatz im Jahr 2000“. Schade, dass es von diesem Wagen keine Abbildung gibt! Für unsere Gegenwart wäre es ebenso spannend wie reizvoll, zu wissen, wie sich unsere Vorfahren den modernen Stiftsplatz vorgestellt haben. 1899 präsentierte er sich nämlich noch ohne die architektonischen Sünden der 1960er und 70er Jahre und deshalb städtebaulich aus heutiger Sicht zweifellos attraktiver.

1901 wurde auch in Türnich der erste Karnevalszug des in diesem Jahr gegründeten „Kleinen Raths“ veranstaltet: „Wir sind so frei, Euer Wohlgeboren unterthänigst zu bitten und die Erlaubnis zu ertheilen, am Fastnachts-Montag einen Umzug durch daß Dorf und nacher eine Carnevalistische Abendunterhaltung abhalten zu dürfen im Saale der Frau Witwe Natzheim. In der Hoffnung um Gewährung unserer Bitte, zeichnet mit aller Hochachtung Euer ganz ergebenst. Der kleine Rath. Der Präsident. Klütsch Heinrich […]“ Dem Antrag wurde stattgegeben. Der für 1902 zunächst beantragte Zug fiel aus. 1911 führte der Männergesangverein Eintracht am Rosenmontag einen Umzug durch. Einer der Wagen stellte ein Luftschiff dar. Der Präsident des MGV verbürgte sich dafür, dass „anstoßende und beleidigende Sachen nicht aufgeführtwerden.“

Das karnevalistische Angebot wurde in der Zeit der Jahrhundertwende nicht nur durch die Umzüge erweitert. Während im 19. Jahrhundert fast ausschließlich Maskenbälle sowie Theater- und Musikaufführungen an den reinen Karnevalstagen veranstaltet wurden, fanden jetzt außer der Sessionseröffnung am 11.11. ab Neujahr zahlreiche Sitzungen statt. Dabei überrascht ein wenig, dass offensichtlich überwiegend Damensitzungen veranstaltet wurden, zumal im Anschluss an die Damensitzungen fast immer Tanzveranstaltungen stattfanden. Es stellt sich in der Tat die Frage, wer an solchen „Damensitzungen“ teilnehmen durfte und wer anschließend mit wem tanzte.

Die Karnevalsgesellschaften besonders auf dem Land zeichneten sich – vielleicht sogar bis heute ?? - nicht unbedingt dadurch aus, dass sie an der Aufnahme weiblicher Mitglieder interessiert waren. Die ersten überlieferten Satzungen schlossen weibliche Mitglieder ganz konkret aus, erst die Satzung der KG Gemütlichkeit des Jahres 1912 enthielt die Variante „jeder Mensch“ kann Mitglied werden.

Auch die Kolpingfamilie folgte diesem Trend und bot ihrem Publikum jetzt Sitzungen mit Büttenreden, Ostermann-Liedern und kölnischen Possen an. Auf dem Programm der jeweils am Fastnachtssonntag stattfindenden „humoristischen Abendunterhaltung“ stand zwischen 1901 und 1912 zum Beispiel: „ [...] Die letzten 2 Thaler, humor. Duo von Junghans [...] das internationale Sängerquartett, komische Scene von Richard Paschleben [...] Kaspar Larifari als Wunderdoktor, Lustspiel in 2 Akten von Fritz Paul [..] Nachtgruß, Chorlied von F. A. Muth [...] Die Feuerwehr von Zickzackhausen, humor. Scene von Zechendorf [...] Meister Zwirn in tausend Nöten oder ein Frack mit Hindernissen. Große Posse mit Gesang von Ferd. Kuin [...] Die Militärgeistlichen oder der schlaue Feldwebel, Lustspiel von Clemens Bauer [...] Bauer und Photograph. Komisches Duett [...] Fest-Büttenrede von Ehrenmitglied Adolf Tillenburg [...] Kölsch Katzeleed von Willi Ostermann […] Koornwöösch, Posse in kölnischer Mundart […] “ Die Protokolle würdigten Veranstaltungen jeweils positiv: „Jede Nummer war zugkräftig, der Saal war gut besetzt […] Das Publikum ging recht befriedigt nach Hause.“

Die Gemeindeverwaltungen achteten jedoch nach wie vor streng darauf, dass alle Veranstaltungen ordnungsgemäß beantragt sein mussten, auch die genehmigten Veranstaltungen wurden auf die Einhaltung der Auflagen streng kontrolliert. 1901 stellte der „berittene Gendarm“ in Kerpen fest, dass der Turnverein Germania im Saal von Theodor Bongartz am Rosenmontag eine Tanzveranstaltung durchführte, für die er keine Genehmigung hatte. Ein überliefertes Flugblatt wirbt für Veranstaltungen bei Bongartz: „Montag von 4 - 8 Uhr Tanzmusik, später Ball, Dienstag von 4 - 11 Uhr Tanzmusik, Entree an beiden Tagen 50 Pfennig, Tanzen frei“. Beantragt hatte der Turnverein lediglich, am Fastnachtsdienstag „eine Musicalische, Theatralische, Carnevalistische, Humoristische Festlichkeit in streng geschlossener Gesellschaft“ durchzuführen, was auch genehmigt worden war. Die Organisation von Tanzveranstaltungen war dem Turnverein nicht gestattet, weil „dessen Vorstand wegen Veranstaltung öffentlicher Tanzbelustigung vor einiger Zeit bestraft worden war“.

1908 ist erstmals auch für Horrem ein Rosenmontagszug nachgewiesen. Der Horremer Prinz hatte einen klangvollen Namen: August I. Friedrichs war Mitglied der Großen Horremer KG, die sich in diesem Jahr konstituiert hatte. Der Horremer Zug des Jahres 1909 wurde von der Gesellschaft „Gemütlichkeit“ organisiert. Das Zugprogramm wies neben berittenen Herolden und Musikkorps 8 Wagen mit verschiedenen Mottos wie „Die Apotheke“, „Das Amtsgericht“, „Räuber- und Zigeunerwagen“ auch eine Ehrengarde des Prinzen und als 13. Gruppe den Prinzenwagen auf. Zum Schluss wurde als 14. Gruppe „Viel Volk“ angekündigt. Im Lokal Geraths fand nach Eintreffen des Zuges ein Gala-Masken-Ball statt. Die KG „Gemütlichkeit“ lud auch für Fastnachtsdienstag zum „Grossen Maskentreiben“ mit anschließendem Ball ein.

Die Jahre bis zum Ersten Weltkrieg waren in allen Kerpener Stadtteilen geprägt von einer Vielzahl von Feiern und Veranstaltungen, allerdings nicht ausschließlich karnevalistischer Art. Die Bevölkerung zeigte sich sehr patriotisch und feierte zum Beispiel den Geburtstag Kaiser Wilhelm II. in vorbildlicher Weise. Oder benötigte man gar nur einen willkommenen Anlass für eine Festlichkeit? In Türnich beantragten jedenfalls im Januar 1911 elf Veranstalter unterschiedlichster Art, eine „Kaisergeburtstagsfeier“ durchführen zu dürfen. Selbstverständlich wurde auf Wunsch jeweils die Sperrstunde aufgehoben, um die Bedeutung des Kaisers auch wirklich zu würdigen. Die Zahl der beantragten Karnevalsveranstaltungen für Ende Februar 1911 wirkt daneben vergleichsweise gering: Gesangvereine, Turnvereine und ein Schützenverein – keine Karnevalsgesellschaft - beantragten die Durchführung von insgesamt sieben Sitzungen, Maskenbällen, Konzerten und einem Rosenmontagszug. Bürgermeister Broel erteilte allen am 25.02. eine gleichlautende Erlaubnis unter strengen und aus heutiger Sicht auch nicht nachvollziehbaren Auflagen: „Dem … wurde die Erlaubnis zur Veranstaltung von geschlossenem Ball, Concert, bzw. carnevalistischer Sitzung unter nachfolgenden Bedingungen erteilt: Es dürfen nur solche Personen zugelassen werden, welche zu dem die Festlichkeit veranstaltenden Verein in verwandtschaftlicher oder freundschaftlicher Beziehung stehen und in dem Orte (Für Brüggen der Ort Brüggen, für Türnich die Orte Türnich und Balkhausen, für Bottenbroich und Grefrath die Orte Bottenbroich, Grefrath und Habbelrath) wohnen. Alle diejenigen Personen, welche nicht in den genannten Orten wohnen, dürfen unter keinen Umständen zugelassen werden. Die Kontrolle hierüber ist auf das schärfste auszuüben und ist derselbe Ausübende verpflichtet, keinen durchzulassen, von dem er nicht die persönliche Überzeugung hat, daß er zulässig ist. Es ist also z.B. nicht erlaubt, eine Person mit Gesichtsmaske zuzulassen, wenn dieselbe auch im Besitze einer Einlaßkarte ist. Es ist sich vielmehr davon zu überzeugen, daß die Person aus keinem fremden Orte herkommt. Sollte durch einen Polizeibeamten festgestellt werden, daß auch nur eine fremde Person sich im Tanzlokal befindet, so wird sofort die Festlichkeit eingestellt und der Saal geräumt werden.“

Während des Ersten Weltkrieges fanden keine karnevalistischen Veranstaltungen statt. Nachweise über Karnevalsfeiern setzen bis auf Ausnahmen erst wieder Mitte der 1920er Jahre ein, da vorher nicht nur die Besatzungsmächte, sondern auch die deutschen Behörden öffentliche Veranstaltungen an Karneval untersagten. Der Regierungspräsident in Köln unterrichtete die Behörden in seinem Bezirk am 03.11.1920 entsprechend: „… Es ist keineswegs beabsichtigt, der in der rheinischen Bevölkerung althergebrachten Karnevalssitte für die Dauer entgegenzutreten. Sobald die Verhältnisse sich gebessert haben werden, wird kein billig denkender Mensch gegen die Aufnahme der früheren Karnevalsfestlichkeiten etwas einzuwenden können. Zur Zeit verlangt jedoch die drängende wirtschaftliche und politische Lage sowie das nationale Anstandsgefühl das Unterlassen jeder zu dem Ernste der Zeit in schroffstem Widerspruch stehenden karnevalistischen Vergnügung. Bei der angespannten Ernährungslage und der zunehmenden Arbeitslosigkeit würde es den berechtigten Unwillen der die grosse Masse bildenden darbenden Bevölkerung erregen, wenn einzelne Kreise die Zeit für geeignet hielten, sich Karnevalsvergnügungen, die meist recht kostspielig zu sein pflegen und nicht selten in Ueppigkeit ausarten, hingeben. Ausserdem gebietet der fortdauernde Mangel an Brennstoffen möglichste Einschränkung in Licht- und Kohleverbrauch und damit Unterlassung aller Veranstaltungen, die , wie die Karnevalsfestlichkeiten, eine starke und unnötige Inanspruchnahme der Licht- und Wärmequellen im Gefolge haben. Unter diesen Umständen weiss ich mich bei der Befolgung der Verordnung in Uebereinstimmung mit dem verständig denkenden Teile der Bevölkerung der in der Veranstaltung karnevalistischer Belustigungen bei der Not des Vaterlandes ein würdeloses, Anstand und gute Sitte in gleicher Weise wie die Gemeininteressen gefährdendes Verhalten erblickt. Ich erwarte, dass meine Bestrebungen auf Unterbindung der karnevalistischen Vergnügungen von Ihnen mit aller Tatkraft unterstützt werden.“

Mit gleichen Datum wurde eine Polizeiverordnung erlassen, die im einzelnen spezifizierte, was verboten war, nämlich: „[...]
§ 1 Oeffentliche karnevalistische Veranstaltungen jeder Art sind verboten. Hierunter fallen insbesondere: 1. die Veranstaltung öffentlicher karnevalistischer Umzüge jeder Art, 2. die Veranstaltung öffentlicher karnevalistischer Aufführungen, 3. Vorträge und Tanzlustbarkeiten.
§ 2 Verboten ist auf öffentlichen Straßen und Plätzen, in öffentlichen Lokalen, bei öffentlichen Veranstaltungen oder Versammlungen: 1. das Tragen karnevalistischer Verkleidung oder Abzeichen jeder Art, 2. das Singen, Spielen und Vortragen karnevalistischer Lieder, Gedichte und Vorträge, 3. das Werfen von Luftschlangen, Konfetti und dergleichen.
§ 3 Verboten ist das Ausstellen, Feilhalten und der Verkauf von Maskenkostümen und sonstigen karnevalistischen Gegenständen jeder Art.
§ 4 Zuwiderhandlungen gegen die Bestimmungen dieser Verordnung werden mit Geldstrafe bis zu 60,00 Mark, an deren Stelle, wenn sie nicht beizutreiben ist, entsprechende Haftstrafe tritt, bestraft. [...]“

Um diesen Einschränkungen entgegen zu treten, bildete sich in Düsseldorf eine „Vereinigung zur Erhaltung der rheinischen Volksfeste und Gebräuche“. 1922 wies die Vereinigung eindringlich darauf hin, dass man dem Rheinland die Ausübung seiner traditionellen Feste nicht nehmen dürfe: „ [...] Wir hoffen, dass der Herr Reichskanzler die nachgeordneten Dienststellen anweist, den Rheinländern die rheinischen Volksfeste zu lassen. Diese Volksfeste wurzeln tief in der Seele eines jeden geborenen Rheinländers. Ein nicht Rheinländer gleich ob es ein nach dem Rheinlande verpflanzter Beamter oder Angestellter ist, versteht sich eben nicht, in die Seele eines gebürtigen Rheinländers hinein zu denken. Denn rheinisch ist der rheinische Humor und Familiensinn und dieser ist besonders zu finden in den Volksfesten das sind die Kirmessen, Schützenfeste und der Karneval. Dieses lassen wir Rheinländer uns aber nicht nehmen, sondern wir bestehen auf unsere rheinische Art!“

Inwieweit diese Verbote in Kerpen beachtet wurden, ist nicht nachzuvollziehen. In den Akten der Verwaltung finden sich in dieser Zeit nur die Verbote. Welche Feste allerdings privat gefeiert wurden, ist im Einzelnen nicht überliefert. Da aber zum Beispiel bei der Kolpingfamilie ab 1919 wieder die traditionellen Faschings-Aufführungen stattfanden, kann man davon ausgehen, dass auch die anderen Vereine nicht öffentliche Veranstaltungen durchführten. Die Kommentare im Protokollbuch der Kolpingfamilie dokumentieren, dass in der Bevölkerung nach den langen Kriegsjahren das Bedürfnis nach Ablenkung vom Alltag groß war: „Dieses Programm stellte schon ziemliche Anforderungen an die Bauchmuskeln des Publikums, welches seine volle Befriedigung durch stürmische Beifall kundgab [...] Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt. Der Verein hat seinem guten Namen mit der Veranstaltung alle Ehre gemacht.“

Spätestens seit 1925 sind wieder öffentliche Karnevalsveranstaltungen nachgewiesen, die allerdings auf geschlossene Räume beschränkt waren. In den zu Türnich gehörenden Orten führten nahezu alle Vereine zahlreiche Maskenbälle und Sitzungen durch. 1927 erreichte die Zahl der Veranstaltungen mit mehr als 30 Bällen, Sitzungen und karnevalistischen Abenden Rekordhöhe. Es lag sogar ein Antrag der Kölner Agentur Kranz vor, die einen bunten Abend mit karnevalistischem Programm durchführen wollte.
1928 konstituierte sich mit der Habbelrather Karnevals-Gesellschaft ein neuer Karnevals-Verein. 11 Habbelrather hatten sich gefunden, um „die Sorgen des Alltags vergessen zu machen und durch etwaige Überschüsse der Kasse, welche von den Mitgliedern aufgebracht werden, die allgemeine Not zu lindern.“ Als die Habbelrather KG 1929 die Durchführung eines Karnevalszuges beantragte, wurde ihr die Genehmigung verweigert, obwohl seit 1928 auch der Straßenkarneval wieder erlaubt war.

Auch in Sindorf kam es zur Gründung einer Karnevalsgesellschaft. Obwohl auch dort karnevalistische Veranstaltungen in einigen Gaststätten seit 1877 nachgewiesen sind, gab es hier noch keine eigene Karnevalsgesellschaft. Die im Gasthof von Leo Neumann an der Kerpener Straße gegründete Gesellschaft gab sich in Anlehnung an den Ostermann-Schlager den Namen „Rötsch mer jett“. Sie gehört zusammen mit der Kerpener Gemütlichkeit und der Großen Horremer zu den ältesten noch bestehenden Gesellschaften.

Die lange Zeit der Verbote hatten nicht alle Karnevalsgesellschaften überdauert. In Kerpen existierten 1925 wohl nur noch zwei der ursprünglich vier Vereine, nämlich die KG Gemütlichkeit und die KG Kömmet Keene, die zusammen zwölf umsatzsteuerpflichtige Feste veranstalteten: die Gemütlichkeit, deren Vorsitzender mit Josef Leiser zu dieser Zeit übrigens ein jüdischer Viehhändler war, zwei Bälle, einen Maskenball, eine Damensitzung und drei Preismaskenbälle; die Kömmet Keene mit ihrem Vorsitzenden Gerhard Koll zwei Preismaskenbälle, zwei Damensitzungen mit Ball sowie einen Familienabend mit Ball. 1930 führte die KG Kömmet Keene übrigens erstmals eine Tanzveranstaltung an Weiberfastnacht und auch wieder einen Rosenmontagszug durch.

Auch für Mödrath waren seit 1926 wieder karnevalistische Veranstaltungen nachgewiesen, allerdings bislang kein eigener Karnevalsverein. Der Eisenbahner-Verein beantragte 1930 für einen Maskenball bei Keymer die Verlängerung der Sperrstunde bis 5.00 Uhr morgens mit der pfiffigen Begründung, dass dann auch die Schichtarbeitenden Eisenbahner noch daran teilhaben können. Dies wurde jedoch nur bis 3.00 Uhr genehmigt.

Joseph Reichert, von 1900–1931 Bürgermeister von Buir und seit 1904 auch von Blatzheim, sorgte sich sehr um die Moral in den von ihm betreuten Gemeinden und versuchte mit allen Mitteln, die seiner Meinung nach überflüssigen und dem Ernst der Zeit nicht angepassten Feste zu verhindern, die auch dort wie in den anderen Kerpener Stadtteilen seit Mitte der 1920er Jahre veranstaltet wurden. Nachdem sich ein Blatzheimer beim Bergheimer Landrat über eine unverhältnismäßig hohe Gebühr für die Genehmigung eines Fastnachtballes beschwert hatte, schaltete sich dieser vermittelnd ein. Zwar hielt auch er es nicht für richtig, „Fastnachtsbälle und dergleichen abzuhalten“, war aber trotzdem der Meinung, dass die erhobene Gebühr von 100,00 Mark zu hoch war und wies Bürgermeister Reichert an, den Bescheid aufzuheben und ihn vom weiteren Verlauf zu unterrichten. Voller Zorn rechtfertigte Reichert sein Verhalten und wies auf den unhaltbaren sittlichen Verfall in seinen Gemeinden hin: „[...] Der unter Euer Hochwohlgeboren Protectorat stehende Männergesangverein begehrt bereits die 3te Festlichkeit seit August vorigen Jahres, weiter liegt ein Antrag des Tambourcorps Blatzheim und desgleichen der Karnevalsgesellschaft Buir für kommenden Samstag vor. Alle meine persönlichen Bemühungen zur Einschränkung der Festlichkeiten sind erfolglos. Heute finden in einem Monat mehr Festlichkeiten statt wie vor dem Kriege während des ganzen Jahres. Die Folgen der Festlichkeiten sind ausserehelicher Geschlechtsverkehr mit dem Ergebnis der Zwangsheiraten minderjähriger erwerbsloser Jungens und Mädels und auf der anderen Seite Unfug nebst Ruhestörungen und Körperverletzung. Zur Zeit sind in Buir 5 Ehetrauungen. Vier Mädels müssen heiraten, davon 3 minderjährige und ein Junge unter 20 Jahren. Diese Eheleute haben weder eigene Wohnungmobilien noch Mietwohnungen geschweige denn eigene Wohnungen. Geradezu ein Hohn auf das Gesellschaftsleben der Familie ist die Tatsache, dass zwei Ehesponse auch noch aus der Erwerbslosenfürsorge ihr Dasein fristen. Die Triebfeder für die Veranstaltungen sind die Wirte und die Volksverführer welche die paar Groschen den arbeitenden allen Sparrsinn abholden Leuten aus der Tasche stehlen. Diesen Diebstahl werde ich umsomehr rücksichtsloser übertrumpfen als Polizeiverwalter, da in letzterer Zeit jede Festlichkeiten ohne Ruhsstörungen (etc.). nicht mehr verlaufen und die überflüssigen Polizeiarbeitsleistungen für Vernehmungen (etc.) durch hohe Gebühren in etwa entschädigt werden zu Gunsten der unter der hohen Besoldung der Beamten leidenden Eingesessenen.
Der Theaterverein Buir hat z.B. an den letzten Sonntagen Theateraufführung bewirkt und je 50 Mark entrichtet. Nach Schluß 11 _ Uhr begegneten dem Polizeiorgan 3 Kinder von 5 – 13 Jahren. Auf die Frage, wo ist Eure Mutter, wie alt seid Ihr, erfolgte die vielversprechende Antwort: Die Mutter hat uns nach Hause geschickt, sie kommt gleich nach. Sind diese Kinder nicht etwa auch unter den von der Kreisverwaltung neu unterstützenden sozialen Wohltat der Kinderschulspeisung? Ja, die Mutter kann am anderen Morgen vielleicht kein Frühstück herrichten, da ihr Geld ja am Tage vorher andere Verwendung gefunden hat und sie selbst von den Nachtlustbarkeitsanstrengungen sich von ihrem Bettlager noch nicht erheben kann. Das Gegenteil von der guten Absicht der Kreisverwaltung ist erreicht […] “ Reichert billigte einerseits zwar die gute Absicht des Landrats, die Vereine durch Appellation zu Spenden für die Armen zu bewegen, sprach aber andererseits von einer Sabotage dieser Absicht durch die Vereine, die mit Hinweis auf ihre leeren Vereinskassen Spenden verweigerten. Reichert bat den Landrat um die Genehmigung, den abschlägigen Bescheid mit der hohen Gebühr erteilen zu dürfen, um damit abschreckend zu wirken. Eine Reaktion ist nicht überliefert, aber der unter der Schirmherrschaft des Landrats stehende Männergesangverein Blatzheim verzichtete daraufhin auf Veranstaltungen an den Karnevalstagen. In Blatzheim wurden in der Tat hohe Gebühren und „Lustbarkeitssteuern“ auf Veranstaltungen dieser Art erhoben. Für die Genehmigung von Veranstaltungen wurden zwischen 50,00 und 100,00 Mark gezahlt, zusätzlich mussten zwischen 20 und 22% Steuern entrichtet werden.

Ob es sich bei der in Reicherts Brief genannte Buirer Karnevalsgesellschaft um die KG „Heidewitzka“, handelt, kann bislang nicht abschließend gesagt werden, es ist aber sehr wahrscheinlich. Für das Jahr 1938 beantragte die Buirer KG die Genehmigung von drei Kostümbällen im Saal von Reiner Kraus an Weiberfastnacht, Karnevalssonntag und Karnevalsdienstag. Ob die Antragstellerin Molly Schorn auch die Vorsitzende war, ist nicht klar. Wenn, dann wäre das sicherlich eine kleine Sensation!

1935 und 1937 konstituierten sich im Bereich der Gemeinde Horrem zwei neue Karnevalsgesellschaften, die beide neben der Großen Horremer KG noch heute bestehen: zunächst 1935 die KG „Kutt-erop“ Horrem und schließlich 1937 die KG „Altstädter Blau-Wiess“ Horrem. Wie in Kerpen hatten die vielen vor dem Ersten Weltkrieg nachgewiesenen Vereine die lange Zeit der „karnevalistischen Unterdrückung“ nach 1919 nicht überstanden.

Für 1937 lässt sich endlich auch ein Karnevalsverein in Mödrath nachweisen: am 20.12.1937 meldete die „Große Mödrather Karnevalsgesellschaft“ einen Neujahrsball für 1938 an, außerdem eine Damensitzung für den 17.01.1938. Als Vorsitzender unterzeichnete Peter Brünker.

1939, im Jahr des Kriegsbeginns, fanden noch zahlreiche Veranstaltungen in allen Stadtteilen statt. Der am 20.02.1939 von der KG Gemütlichkeit veranstaltete Rosenmontagszug war für lange Zeit der letzte Zug, der in Kerpen stattfand.

In den folgenden sechs Kriegsjahren musste die Kerpener Bevölkerung - wie alle anderen in Deutschland - nicht nur die existentiellen und materiellen Sorgen des Krieges bewältigen, sondern auch die Auswirkungen des unmenschlichen nationalsozialistischen Regimes.

 

Nach dem 2. Weltkrieg

Auferstanden aus Ruinen:
Neue Gesellschaften werden gegründet

Wie für die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg galt auch für die Nachkriegsphase ab 1945, dass nicht nur die Besatzungsmächte, sondern auch die deutschen Behörden Karneval entweder verboten oder nur eingeschränkt zuließen. Der Rat der Stadt Köln fasste am 28.12.1946 diesbezüglich einen einstimmigen Beschluss: „Der Karneval ist von alters her ein stadtkölnisches Volksfest, in dem sich die Lebensfreude der Kölner Bevölkerung stets offenbarte. Aber über dem Karneval steht der Ernst der Zeit. Um ihm auch für zukünftige bessere Tage den Charakter eines Volksfestes zu wahren und um jeder geschäftlichen Ausbeutung vorzubeugen, ist für das Jahr 1947 die Veranstaltung von organisierten Umzügen, öffentlichen Maskenbällen und Kostümfesten nicht zugelassen. Stadtvertretung und Stadtverwaltung erwarten, daß die Bürgerschaft hierfür in Anbetracht der Lage volles Verständnis haben wird.“

Ein solcher Beschluss ist für die politischen Gremien in Kerpen nicht nachgewiesen, man kann aber davon ausgehen, dass offiziell auch hier ähnliche Meinungen vorherrschten. Wie in Köln waren jedoch auch hier die karnevalistischen Aktivitäten spätestens 1946 wieder erwacht. Nach den durchlittenen Ängsten und Nöten des Weltkrieges war die Bevölkerung froh über alles, was sie von den materiellen Sorgen der Nachkriegszeit ablenkte. Nach langen Jahren karnevalistischer Abstinenz genossen die Jecken die ersten Nachkriegssitzungen auch mit einem veränderten Bewusstsein.

Die ersten karnevalistischen Veranstaltungen sind schon für die Session 1945/1946 überliefert. Noch vor den Karnevalstagen des Jahres 1946 wurde die Karnevalsgesellschaft Rut-Weiß Balkhausen-Türnich gegründet, an Weiberfastnacht der erste Möhneball veranstaltet.
Die zweite Nachkriegs-Gründung erfolgte im darauf folgenden Winter in Sindorf: die Kirmesgemeinschaft der Gaststätte „Zum Kneppchen“ besuchte am 11.11.1946 eine Sitzung der Horremer Karnevalsgesellschaft „Kutt erop“. Begeistert von der dort herrschenden unbekümmerten Stimmung und dem närrischen Programm beschlossen sie, in Sindorf nach der KG „Rötsch mer jett“ von 1929 eine zweite Karnevalsgesellschaft zu institutionalisieren.
Auch die neue Kerpener KG, die „Jood Jonge“, ist wohl Ende 1946 gegründet worden. Das Gründungsdatum ist nicht nur in einer Festschrift, sondern auch auf einer Fahne der Gründungszeit überliefert. In den Akten der Stadtverwaltung findet sich jedoch ein anderes Gründungsdatum, nämlich der 1.1.1948. Dies ist sicherlich darauf zurückzuführen, dass die Gründung eines Vereins im noch nicht entnazifizierten Deutschland mit Schwierigkeiten verbunden war.

In Abweichung des Ratsbeschlusses der Stadt Köln teilte der Kölner Regierungspräsident dem Landrat in Bergheim am 10.02.1947 mit, welche Einschränkungen die britische Militärregierung für das karnevalistische Treiben erlassen hatte. Der Landrat unterrichtete die Bürgermeister: „Die Militärregierung für den Regierungsbezirk Köln, Herr Oberst Oswald, hat mitgeteilt, dass nichts dagegen einzuwenden ist, wenn an den drei Karnevalstagen das Volk auf den Straßen das übliche Karnevalstreiben entfalte, jedoch mit der Einschränkung, dass nach 18 Uhr bis Tagesanbruch keine Gesichtsmasken getragen werden dürfen. Ich ersuche, hiernach zu verfahren. Ich habe die Veröffentlichung eines entsprechenden Hinweises in der Presse veranlasst“. Die Kerpener Verwaltung gab die Verfügung den „Karnevals-Gesellschaften zur Kenntnis“ – leider wurden Namen nicht notiert.

Nach einer in den Akten erhaltenen Liste aller Vereine im Bereich des Amtes Kerpen vom Sommer 1948 existierte in dieser Zeit neben der Kerpener Karnevalsgesellschaft „Gemütlichkeit“ nur eine weitere Gesellschaft, die Karnevalsgesellschaft „Fidele Geister Rut Wies“ in Mödrath. Karnevalsgesellschaften in Blatzheim, Manheim und Buir wurden nicht genannt, obwohl die Buirer KG Heidewitzka schon am 16.11.1947 eine ordnungsgemäß angemeldete Sitzung durchgeführt hatte.

Noch in der Karnevalssession 1948 bedurften alle karnevalistischen Veranstaltungen der schriftlichen Zulassung der Militärregierung. 1949 war eine besondere Genehmigung für Kostümbälle nicht mehr erforderlich. In den Räumen durften Masken getragen werden, auf der Straße war es nach wie vor verboten.
Erst am 26.01.1950 unterrichtete der Oberkreisdirektor die Bürgermeister des heutigen Stadtgebietes darüber, dass es nicht mehr erforderlich war, Karnevalszüge schriftlich zu beantragen.

Schon 1948 und 1949 wurden von einigen Stellen die negativen Seiten der karnevalistischen Veranstaltungen hingewiesen, die vor allem auf übermäßigen Alkoholgenuss zurückgeführt wurden. Der Oberkreisdirektor berichtete den Amtsdirektoren am 12.02.1948: „Die Karnevalstage mit all ihrem Trubel sind verklungen. Leider haben sich dabei zum Teil auch im Kreise Bergheim durch die Inanspruchnahme des Schnapses in Lokalen starke Auswüchse gezeigt und widerliche Szenen abgespielt, die gerade in diesen Notzeiten, in denen wir auf die Unterstützung des Auslandes angewiesen sind, sehr verwerflich sind. Es muss jetzt das Bestreben sein, vor allem bis Ostern die Tanzveranstaltungen und sonstige öffentliche Lustbarkeiten einzudämmen.“ Man sah insbesondere eine Gefährdung für die heranwachsende Jugend, wie ein weiteres Schreiben des OKD vom 08.02. 1949 beweist, in dem er eine strikte Einhaltung der Jugendschutzgesetze forderte: „In einer der letzten Ausgaben der Kölnischen Rundschau schreibt ein Leser, dass die Bälle und karnevalistischen Veranstaltungen augenblicklich ein solches Mass erreicht haben, dass man darüber mehr als besorgt sein kann. Es geht in erster Linie, so heisst es in dem Schreiben, um die heranwachsende Jugend, die einfach mit in den Vergnügungstrubel hineingerissen wird. Oft sind es kaum aus der Schule Entlassene, die ohne Begleitung der Eltern oder Erziehungsberechtigten anzutreffen sind […] Die Zahl der Tanzveranstaltungen stehen in keinem Verhältnis zu den Erfordernissen der heutigen Zeit und bilden mit ihren fremdländischen und abartigen Tänzen eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die ohnehin gefährdete Jugend“.

Die ersten Nachkriegszüge wurden erst Anfang der 1950er Jahre durchgeführt. 1951 meldete die Kerpener Verwaltung dem Kreis, dass im Amtsbereich drei Karnevalszüge angemeldet waren. Die KG Blötschköpp veranstaltete einen Zug am Rosenmontag mit vier Fahrzeugen, der von 14.11 bis 16.00 Uhr durch Mödraths Straßen zog: von der Burg über die Hauptstraße, Eisenbahnersiedlung, Bahnhofstraße, Bergstraße, Neustraße, Türnicher Straße zurück zur Hauptstraße. Die Auflösung erfolgte an der Burg.
In Buir war die KG Heidewitzka Veranstalter des Zuges, der am Karnevalssonntag ging. Er umfasste 7-8 Fahrzeuge und war von der Talstraße zur Broichstraße, dann zur Merzenicher Straße, Kirchenstraße, Steinweg und Burgstraße zur Eichemstraße eine Stunde von 14.00 bis 15.00 Uhr unterwegs. Auch in Blatzheim fand ein Zug statt, an dem 4 bis 5 Fahrzeuge teilnahmen. Die Ortsvereine Blatzheim organisierten diesen Zug, der von der Hauptstraße über die Bergstraße zur Obermühle, dann zurück zur Hauptstraße und über die Bahnhaagstraße wieder zur Hauptstraße und zur Bergstraße ging. Er war am Rosenmontag zwischen 15.00 und 17.00 Uhr unterwegs.

Der erste Kerpener Zug ist erst für Rosenmontag 1952 nachgewiesen. Von diesem Zug sind Fotos überliefert, die die Aufstellung des Zuges an der heutigen Alten Landstraße zeigen. Der damals beim Bauamt der Verwaltung tätige Kerpener Künstler Hermann Josef Baum hatte den Auftrag erhalten, drei Wagen zur Teilnahme am Zug zu gestalten. Die Wagenthemen waren sowohl kommunalpolitischer als auch bundespolitischer Art: während ein Wagen die städtische Waschanstalt präsentierte, trug der andere das Motto „Mer werde Großstadt“ und eine „Neffelbach-Schwebebahn“ nach Mödrath. Bundespolitisch wurde der Lastenausgleich aufs Korn genommen. Nach Aussage von Hermann Josef Baum wurde die Aufmerksamkeit des Publikums in Ermangelung einer Musikgruppe mit Hilfe einer tragbaren Sirene erregt. Dabei gab der städtische Arbeiter Hermann Esser entweder Alarm oder Entwarnung. Bei der Realisierung der Wagengestaltung war der Malermeister Barthel Scheuer als Sponsor aufgetreten, indem er die erforderliche Farbe zur Verfügung gestellt hatte.

In den folgenden Jahrzehnten kam es zur Gründung weiterer Karnevalsgesellschaften im Stadtgebiet, andere lösten sich auf. Weitere Einzelheiten zur Geschichte sowohl der bestehenden als auch der aufgelösten Karnevalsgesellschaften in den Kerpener Stadtteilen werden in den Kapiteln 4 und 5 dieses Katalogs dargestellt, nämlich: „Uuzbröder, Kömmet Keene und Co.“ und „Kerpens organisierte Narren“.

Eine Ausstellung über die Entwicklung des Kerpener Karnevals muss neben den „organisierten“ Narren auch die Vielzahl derer berücksichtigen, die sich in anderen Vereinigungen außerhalb der Festkomitees zusammenfinden und das närrische Treiben in der Kolpingstadt nicht minder prägen wie die Karnevalsgesellschaften. Diese Tatsache hat eine lange Tradition, gingen doch die ersten nachweisbaren karnevalistischen Veranstaltungen auch nicht von speziellen Karnevalsvereinen ein, sondern z.B. von der Kolpingfamilie, von der Musik- und Gesangsvereinen, von den Gastwirten.

Daher folgen an dieser Stelle Beispiele für karnevalistische Aktivitäten, die außerhalb der im Festkomitee zusammengeschlossenen KGs stattfinden. Neben den folgenden Bespielen gibt es sicherlich eine Vielzahl weiterer Aktivitäten, die aber hier nicht alle dargestellt werden können. Die gezeigten Bespiele sind zufällig ausgewählt, spiegeln aber dennoch einen repräsentativen Querschnitt der nicht organisierten Aktivitäten. Dargestellt werden beispielhafte Pfarrsitzungen im Stadtgebiet, der Sindorfer Kinderzug sowie das Möhnetreiben in Manheim und anderswo. <hrdata-mce-alt="Sindorfer Kinderzug" title="Teil II-2" class="system-pagebreak" />

Der Sindorfer Kinderzug seit 1953

Nach der Fertigstellung des neuen Schulgebäudes im Sindorfer Neubaugebiet an der Fuchsiusstraße wurden die Schulklassen geteilt: während die oberen Schulklassen weiter in der alten Schule hinter der Ulrichkirche unterrichtet wurden, waren die jüngeren Schülerinnen und Schüler umgezogen in das neue, moderne Schulgebäude.

1953 wurde in diesem neuen Gebäude zum ersten Mal Karneval gefeiert. Aus heutiger Sicht weiß man, dass diese Feier eine neue Tradition in Sindorf begründete, die 2003 auf ihr 50jähriges Bestehen zurückblicken kann.

Konrad Honings, Lehrer und später langjähriger Rektor an der Ulrichschule, hatte mit seinen Schülerinnen und Schülern am Karnevals- oder Veilchendienstag in einem Klassenraum eine Sitzung mit Vorträgen und Karnevalsliedern veranstaltet. Die Stimmung unter allen Beteiligten war so ausgelassen, dass die anschließende Bereitschaft für ordnungsgemäßen Unterricht auf beiden Seiten dem Nullpunkt nahe war. Spontan beschloss man, mit 200 Schülerinnen und Schülern sowie dem Lehrpersonal zur alten Schule zu ziehen. Zwei organisierte Trommeln und eine Flöte unterstützten diesen improvisierten Zug musikalisch, dem sich schon auf dem Weg zur alten Schule unbeteiligte Erwachsene anschlossen. Selbstverständlich beendeten auch die Mädchen und Jungen der Oberklassen sofort bereitwillig den Unterricht, so dass binnen kurzem ein kleiner, aber feiner Zug singend und tanzend durch Sindorf zog. Mit den Ereignissen dieses 23. Februar 1953 war der Sindorfer Kinderzug „geboren“.

Eine Neuauflage des 1953 spontan durchgeführten Zuges war im nächsten Jahr völlig unstrittig. Eltern und Schulpflegschaft beteiligten sich an den Vorbereitungen, die beiden KGs die „Rötsch mer jett“ und die „Fidelen Jungen“ fuhren mit eigenen Wagen, eigenem Wurfmaterial und einer Musikkapelle hinter dem Kinderzug her. Pünktlich um 9.00 Uhr begann der Umzug durch den Ortskern bis zum Ende der Erftstraße. Von dort kehrte man zur Schule zurück. Schon 1955 stellte die Sindorfer Schule einen Kinderprinzen, dessen Kostüm zunächst der Kleiderkammer der Fidelen Jungen entstammte.
Da die Zahl der Anmeldungen für teilnehmende Wagen und Fußgruppen in den nächsten Jahren ständig stieg, galt es, die Finanzierung auch für die kommenden Jahre sicherzustellen, da die bisherigen Spenden von Geschäftsleuten, Eltern und Karnevalsgesellschaften auf Dauer nicht ausreichend waren. In einem Gespräch zwischen Konrad Honings und dem seinerzeitigen Sindorfer Bürgermeister Heinz Wassen konnte auch dieses Problem bewältigt werden, indem der Bürgermeister einen kostendeckenden Zuschuss der Gemeinde zusicherte. Schon bald konnte der Schülerprinz von der Kutsche in ein Cabrio umsteigen.

Mittlerweile gab sich jede Schulklasse ein eigenes Motto und fertigte im Unterricht einheitliche Kostüme an, oft auch unter Beteiligung der Eltern. Da sich immer mehr Zugteilnehmer anmeldeten, wurden 1961 vier Musikzüge organisiert, die auf den 12 Wagen und mehrere Fußgruppen umfassenden Zug verteilt wurden. Entsprechend der Zahl der Teilnehmer stieg auch die Zahl der Zuschauerinnen und Zuschauer am Straßenrand. Der Zug war inzwischen weit über die Sindorfer Grenzen hinweg bekannt und lockte – übrigens bis heute - viele Auswärtige am Veilchendienstag nach Sindorf.

Die Schule als Begründerin und Trägerin des Zuges blieb auch im nächsten Jahrzehnt für die Gesamtorganisation und Durchführung des Zuges verantwortlich. Spätestens seit 1964 hatte der Zug einen offiziellen Charakter.

1967 gab es erstmals einen Schul- und Prinzenorden, der auf eine Idee des Vaters von Prinz René zurückging, der den Orden mit dem Motiv „Da, wo die 7 Berge ...“ entworfen und angefertigt hatte. Der begehrte Orden brachte ebenso zusätzliche wie willkommene Spenden ein. Das nächste Jahr brachte eine weitere Neuerung: mit dem Thema „Sindorfer Märchen“ fanden die Verantwortlichen erstmals ein gemeinsames Motto für alle Zugteilnehmer. Seit 1971 werden außerdem Kindersitzungen in Sindorf durchgeführt.

Der Jubiläumszug des Jahres 1973 mit dem Motto „1000 Wochen Kinderzug“ wurde zu einem Rekordzug mit etwa 1.000 Kindern, 700 Erwachsenen und 22 Wagen sowie 10 Kapellen. Tausende von Zuschauern standen singend, schunkelnd und winkend am Straßenrand und belohnten so die Verantwortlichen für die monatelange und manchmal harte Vorbereitungsarbeit.

Parallel zum Anwachsen des Zuges wurde sowohl der organisatorische als auch der finanzielle Aufwand immer größer. Eine besonders originelle Art der Spendensammlung wurde mit Hilfe von 15 Glasbausteinen der Sindorfer Glasfabrik realisiert. Die Glasbausteine wurden mit einem Schlitz versehen und in den Sindorfer Gaststätten aufgestellt. Der Reingewinn betrug mehr als 5.000,00 DM und sorgte für eine Rücklage für das nächste Jahr.

Seit 1977 nahmen auch die Schülerinnen und Schüler der neuen Grundschule „Im Mühlenfeld“ am Kinderzug teil.
Das Motto von 1978 würdigte das Jubiläum: „25 Johre trecke, jung un ahl Fastelovendsjecke“. Kinderprinz Magnus hatte die Ehre, als erster die vom Präsidenten der „Rötsch mer jett“, Rolf Gottschalk, gestiftete Präsidentenkette zu tragen. Die Glasbaustein-Sammelaktion, schnell zur Tradition geworden, erbrachte in diesem Jahr über 10.000,00 DM, womit man den halben Zug finanzieren konnte.

1979 ging Konrad Honings in Pension und konnte den künftigen Organisatoren für die kommenden Züge den Betrag von fast 6.500,00 DM zur Verfügung stellen. Auch unter dem neuen Schulleiter Gerhard Hund änderte sich zunächst nichts, der Sindorfer Kinderzug blieb eine Angelegenheit der Ulrichschule.

1984 erhielt dann der Schülerprinz ein eigenes Kostüm, das seine Mutter genäht hatte. Sie nähte auch im nächsten Jahr die liebevoll und aufwändig nach Vorbildern des Kölner Dreigestirns gestalteten Kostüme für das neue Schuldreigestirn, das von nun an dem Kinderzug vorstand. Die Kostüme befinden sich noch im Besitz der Schule und sind in der Ausstellung zu sehen.

Nach dem Zug von 1988 endete die Tradition, dass die Ulrichschule als Träger für die immer aufwändigere Organisation des Sindorfer Kinderzuges auftrat. Schulleiter Gerhard Hund betonte die Notwendigkeit, im Interesse der Kinder die karnevalistischen Aktivitäten der Schule soweit zu reduzieren, dass dabei der Bildungsauftrag der Schule verwirklicht wird, ohne die Pflege des Brauchtums zu vernachlässigen. Die Durchführung der Kindersitzung wurde ebenso beibehalten wie eine Teilnahme der Schule am traditionellen Zug. Die Durchführung der Kindersitzung wurde ebenso beibehalten wie eine Teilnahme der Schule am traditionellen Zug.

Im November 1988 bildete sich daraufhin der „Festausschuß Sindorfer Kinderzug“, zunächst unter der Leitung von Karl-Heinz Rohé und seiner Frau. Im Festausschuss waren u.a. die beiden KG’s, Pfarrer Reinhold Steinröder und der ursprüngliche Zug-Initiator, Konrad Honings, vertreten. 1991 wurde der „Förderverein Sindorfer Kinderzug“ gegründet, der seitdem den Sindorfer Kinderzug, der 2003 auf sein 50jähriges Bestehen zurückblicken kann, organisiert und durchführt. Inzwischen hat der Förderverein auch die Veranstaltung der Kindersitzung übernommen. <hrdata-mce-alt="Die Möhnen" title="Teil II-3" class="system-pagebreak" />

Möhne in Horrem und Manheim

Während das weibliche Geschlecht im organisierten Karneval bis heute nur eine untergeordnete Rolle spielt, ist eine aktive Beteiligung der Frauen am Fastnachtsgeschehen seit Jahrhunderten bezeugt.
Der Ausschluss der Frauen vom Karneval begann jedoch erst mit dem Einzug der Preußen am Rhein. Die Quellen belegen, dass Kölner Männer und Frauen seit der frühen Neuzeit teils getrennt und teils gemeinsam auf den Straßen Fastnacht feierten.
Wie weiter vorn bereits erwähnt, berichtete Wolfram von Eschenbach schon um 1206 von Frauen, die an Fastnacht nicht so gut kämpften. Dies ist nicht nur der Beleg für ihre Teilnahme, sondern ein deutlicher Hinweis, auf die Art, wie die Frauen feierten. In vielen Nonnenklöstern des Mittelalters sind traditionelle Frauenfeste am Donnerstag vor Aschermittwoch überliefert. Es ist daher nicht auszuschließen, dass auch die Zisterziensernonnen in Bottenbroich und Blatzheim diesen Traditionen folgten.
Diesen Brauch der Weiberfastnacht ließen sich die rheinischen Frauen auch nach 1822/23 nicht nehmen. Vom offiziellen Karnevalsgeschehen mit den Sitzungen und Maskenzügen plötzlich gegen ihren Willen ausgeschlossen und nur manchmal zu bestimmten Gelegenheiten und auf besonderen Veranstaltungen geduldet, setzten sie durch, dass ein Tag ihnen gehörte. An Weiberfastnacht begannen für die „unter die Haube gebrachten“, also die verheirateten Frauen, die närrischen Tage. Besonders die Kölner Marktfrauen sind bekannt für ihre ausgelassenen und wilden Feste. Der Kölner Stadtchronist Fuchs berichtete von den Frauen, die nach dem Marktgeschehen vom Alter Markt in die umliegenden Kneipen zogen: „ An diesem Tag führten die Marktweiber in den Wirtshäusern am Alter Markt und den benachbarten Straßen des Regiment. Kein Mann durfte mit ihnen reden. Singend, johlend, tanzend und trinkend verweilten sie in den Wirtshäusern bis spät in die Nacht hinein“.

Auch in den Dörfern war das Feiern der Weiberfastnacht Tradition. Leider fanden sich bislang keine konkreten Belege über derartige Bräuche in den Kerpener Stadtteilen. Die ersten bekannten schriftlichen Hinweise stammen aus dem Jahr 1938: Die Karnevalsgesellschaft veranstaltete Weiberfastnacht 1938 im Gasthof Moll – bis in die 1960er Jahre als „Lindenhof“ bekannt, die Bushaltestelle dieses Namens existiert noch immer – einen „Möhneball“. Ob es in dieser Zeit auch schon entsprechende Möhnezüge oder Möhnesitzungen gab, muss dahingestellt bleiben.

Der Horremer Möhne-Klub

In Horrem veranstaltete die 1912 gegründete Marianische Frauenkongregation am 17.02.1952 ihren ersten „Bunten Abend“ mit umfassendem Programm. Die Leitung der Sitzung übernahm Frau Gertrud Straßfeld als Obermöhn. Die bunten Abende des so genannten „Möhne-Klubs“ etablierten sich schnell zählten schließlich zu den karnevalistischen Höhepunkten in Horrem. 1958 beförderte der langjährige Präsident der KG „Große Horremer“, Herr Otto Friedrichs, Gertrud Straßfeld zur Generalmöhn und würdigte damit ihr besonderes Engagement für den Horremer Möhne-Klub und den dort präsentierten volkstümlichen Karneval. Verantwortlich für den Inhalt der glanzvollen Sitzungen waren die Vertreterinnen des Möhne-Klubs ihr Literat und Regisseur, Konrektor Steinmann, der auf der 1958er Sitzung zum Ehrendoktor der Horremer-Möhne-Akademie ernannt wurde.
„Wieder einmal war der Burgsaal viel zu klein, um all die Menschen zu fassen, die zur traditionellen Möhnesitzung wollten. Wohl keiner dürfte den Besuch bereut haben, denn, was die Möhnen an Humor und Einfallsreichtum auf die Bühne zauberten, das hatte den oft stürmischen Beifall redlich verdient. Besonders im zweiten Teil stieg die Stimmung von Höhepunkt zu Höhepunkt, so daß am Schluß die gesamte Narrenschar schunkelnd sang: So ein Tag, so wunderschön wie heute“. So beschrieb die Kölnische Rundschau am 12. Februar die Horremer Sitzung, deren Leitung mittlerweile Nelly Nicolai übernommen hatte.
Zu den Schwerpunkten der Sitzungen gehörten stets närrische Nackenschläge nicht nur gegen die allgemeine Weltlage, sondern auch bissige Kommentare zum Horremer Alltag und der Kommunalpolitik. In einer Schmährede gegen die Herren der Schöpfung erhob Liesel Eppenich, die Vorsitzende des Frauen- und Müttervereins, die Forderung: „Wir Frauen müssen in den Bundestag. Was haben denn die Männer dort verloren? Die sollen doch arbeiten gehen.“ Liesel Eppenich war eine der Stützen jedes Progamms und stand auf der Bühne, bis sie selbst als Präsidentin die Leitung der Sitzung übernahm.

Möhnezug in Manheim

Seit 1967 zieht jedes Jahr an Weiberfastnacht ein „Möhnezoch“ durch Manheim. Initiator des Möhnezugs war Jodo Stein, der sich nach eigenen Erzählungen noch gut daran erinnert, dass zu seiner Schulzeit „Möhnen bunt kostümiert Manheims Straßen im Karneval unsicher machten“.
Zusammen mit seinen Obermöhnen Lena und Lotsche, Helene Meeger und Lieselotte Schnorrenberg, ging „Möhnevaa“ Jodo Stein 33 Jahre dem Möhnezug voran, bis er im Jahr 2000 dieses Amt an Evi Schönen abgab.

Im ersten Jahr bestand der Zug aus 12 Möhnen und Jodo Stein als Trompeter. Die Zahl der teilnehmenden Möhnen wuchs jedes Jahr, mittlerweile hat der Zug etwa 200 Teilnehmerinnen aller Altersklassen. Man traf sich traditionell im Hof des Hauses von Jodo Stein an der Forsthausstraße 9 und stärkte sich zunächst mit einem deftigen Eintopf. Während des anschließenden Zuges kümmern sich Einzelhandel und Gewerbe um das leibliche Wohl der Beteiligten: Metzger bieten Würstchen an, Bäcker spendieren Berliner. Auch die privaten Haushalte sorgen für die Zugteilnehmerinnen, es werden Reibekuchen, Mutze, Bier und Glühwein angeboten.

Zum Jubiläum im Jahr 1992 luden die Obermöhnen Lena und Lotsche sowie ihr Mannemer Möhnevaa Jodo Stein zu einem musikalischen Frühschoppen in den „Roten Hahn“. Zu den Höhepunkten des Festkommers gehörte die Würdigung des ehemaligen Sindorfer Pfarrers und Manheimer Möhnepräsidenten Reinhold Steinröder, selbst Mitbegründer und Veranstaltung einer karnevalistischen Veranstaltung in Sindorf, über die noch berichtet wird.

Im Jahr 2000 feierten Lena, Lotsche und der Möhnevaa das 33jährige Bestehen des Mannemer Möhnezochs. Ferdinand Wind, ehemaliger Kerpener Stadtdirektor, hielt die Laudatio zu Ehren der drei, die sich nach dem Jubiläumszug aus dem aktiven Karneval verabschiedeten: „Oft kopiert, aber nie erreicht“. <hrdata-mce-alt="Kirche und Karneval" title="Teil II-4" class="system-pagebreak" />

Kirche und Karneval: Die Pfarrsitzungen

Die in vielen Orten seit Jahrzehnten organisierten Pfarrsitzungen sind nicht nur fester, sondern auch überaus beliebter Bestandteil des Fastnachtstreibens in Kerpen. Stellvertretend für viele andere erfolgreich Sitzungen in den Kerpener Pfarreien soll hier über die Sitzungen der Pfarreien St. Maria Königin in Sindorf und St. Martinus in Kerpen berichtet werden.

St. Martinus Kerpen

Im Pfarrbrief der Pfarre St. Martinus Kerpen vom Januar 1976 findet sich der Veranstaltungshinweis: „Am Freitag, dem 13. Februar veranstalten Kirchenchor, Frauengemeinschaft und Kolpingsfamilie den Karnevalsabend für die Pfarrgemeinde.“ Schon in der nächsten Ausgabe wurde über einen gelungenen Abend berichtet. Die Karten waren schon drei Wochen vor der Sitzung ausverkauft, was die Veranstalter ermutigte, ihr Programm für das nächste Jahr zu erweitern und vielleicht sogar zwei Sitzungen zu organisieren. Die Veranstaltung, die sich schnell im Kerpener Sitzungskalender einen festen Platz eroberte, wurde unter dem Namen „Drei unter einem Hut“ auch über die Kerpener Grenzen hinweg bekannt.

Diese Sitzungen der drei kirchlichen Vereinigungen sind in gewisser Weise in einer Tradition zu den Sitzungen der Kolpingfamilie zu sehen. Wie bereits an anderer Stelle erwähnt, veranstaltete die Kolpingfamilie schon drei Wochen nach ihrer Gründung am 07.02.1869, dem Fastnachtsmontag, eine erste „carnevalistische“ Sitzung, bei der eine „recht gemütliche Stimmung“ herrschte. Schon seit Beginn des 20. Jahrhunderts bot die von der Kolpingfamilie organisierte Sitzung ein umfassendes karnevalistisches Programm nach Kölner Vorbild. Die erste Damensitzung wurde 1929 veranstaltet.

Bis vor wenigen Jahren wurde die Pfarrsitzung mit dem Motto „Drei unter einem Hut“ als Gemeinschaftsveranstaltung durchgeführt. Seit 2002 organisiert die Pfarre St. Martinus selbst die Sitzung, nun unter dem neuen Motto „Alle unter einem Hut“. Schon die erste Sitzung unter neuer Regie wurde - genau wie die von 1869 – ein voller Erfolg.

St. Maria Königin, Sindorf

1979 rief der Sindorfer Pfarrer Reinhold Steinröder mit der Pfarrsitzung St. Maria Königin eine neue karnevalistische Veranstaltung ins Leben, die sich in den seitdem vergangenen 24 Jahren zu einem wahren Zuschauermagneten entwickelte. Um eine der begehrten Karten zu erstehen, ist Schlangestehen ähnlich wie sonst bei populären Kölner Sitzungen fast obligatorisch geworden. Nur wenige Stunden nach Verkaufsbeginn sind die etwa 700 Karten für die drei Sitzungen, die fast ausschließlich durch eigene Kräfte gestaltet werden, ausverkauft. Dies ist übrigens eines der typischen Merkmale besonders der üblichen Pfarrsitzungen. Die Sitzungen finden im Pfarrheim an der Kerpener Straße statt, dessen gemütliche und familiäre Atmosphäre zum Gelingen der Sitzung nicht unwesentlich beiträgt. Der Erlös aus den Sitzungen kommt karitativen Zwecken zugute.

Lange Jahre bildeten Pfarrer Reinhold Steinröder und Diakon Philip Börsch ein Duo sowohl bei der Organisation der Sitzung als auch im Elferrat und schließlich auf der Bühne.
„Die SMK- Narren boten wieder tollen Karneval. Mitglieder der katholischen Pfarrei sind aktive Jecken […] Selbstverständlich gehörte Pfarrer Reinhold Steinröder wieder zum Elferrat und kletterte auch in die Bütt. Der Pastor und auch sein Diakon Philip Börsch scheuten es dabei nicht, sich selbst und auch das ‚Kulturwesen em Generalvikariat’ auf die Schippe zu nehmen.“, so berichtete die Kölnische Rundschau am 29. Januar 1986.

Zu den Besonderheiten der Sitzung im Sindorfer Pfarrheim zählen sicherlich die nicht nur liebevoll gestalteten, sondern auch inhaltlich sehr interessanten Orden. Aus Holz gesägt, jedes Jahr in einer anderen, meist aufwändigen Form, wird jeder einzelne Orden von Hand bemalt. Dabei werden Themen dargestellt, die im das Pfarr- und Gemeindeleben im vergangenen Jahr bewegt haben, so z.B. der Abschied von Pfarrer Steinröder im Jahr 1992, die unendliche Geschichte der Sanierung der Pfarrkirche St. Maria Königin von 1986 bis 1990 oder der „unzumutbare“ Versuch des Generalvikariats, 1998 aus den Pfarreien in Horrem und Sindorf einen Seelsorgebereich zu bilden.
Der bedauerte Abschied des seinerzeitigen Initiators schadete der Qualität der Sitzungen keineswegs. 1996 bewiesen Philipp Börsch und der neue Pfarrer Nederpelt, dass sie in der Lage waren, auch Pleiten, Pech und Pannen nicht nur zu überstehen, sondern daraus als wahre Improvisationskünstler ungeplante Lacherfolge zu machen.

Anlässlich des bevorstehenden Jubiläums feierten die Organisatoren im November 2001 mit der Maryland Jazzband zunächst in der Pfarrkirche und später im Pfarrheim. Auch Sindorfs ehemaliger Pastor und langjähriger Präsident der Sitzung, Reinhold Steinröder, nahm an der Feier teil und verriet: „Mit dem Geheimnis der SMK-Sitzungen ist es wie mit dem Geheimnis des Glaubens: Das musst Du erlebt haben – vorausgesetzt, du häss en Kaat kräje!“
Entsprechend begeisternd verlief auch die Jubiläumssitzung, bei der neben vielen Altstars auch Sitzungspräsident Börsch in seiner traditionellen Rolle als trotteliger Sindorfer Buur gefiel. Als aber die Überraschungsgäste, die „Hillije Knächte und Mägde“ aus Köln eintrafen, schafften sie, was in den vergangenen 25 Jahren niemanden gelungen war: Philipp Börsch war sprachlos.


"Dä Sindorfer Buur met singem Trien"

Zum besonderen Publikumsliebling im Programm der vergangenen Jahre hat sich die Nummer „Dä Sindorfer Buur met singem Trien “ entwickelt, die Philipp Börsch und seine Tochter Stefanie präsentieren. Diese Nummer ist nicht nur in der Live-Aufführung ein Vergnügen, sondern auch, wenn man sie liest. Daher folgt an dieser Stelle die erste Publikation von: „Dä Sindorfer Buur met singem Trien“, und zwar die Aufführung des Jahres 2001:

Buur : Hallo, Frau Trienes, schön Sie zu sehen. Was tragen Sie denn heute zu Ihrem "eon"?

Trien : Wat es dann met dir los? Bes du BSE-sinnig, du Ochs? Wenn ich hee op de Pfarrsitzung jonn, tragen ich emmer mingen kalorienreduzierten Reissdorf-Brokat-Fasselong.

Buur : Apropos BSE! McDonalds do vörre am neue Sindörper Fernsehturm hät letzte Weich e Scheld en et Schaufenster jehangen: "Bei uns können sie weiterhin BSE-frei essen. BSE wurde bisher nur in Bayern und Schleswig-Holstein festgestellt. Wir verkaufen aber nur Hamburger!"

Trien : Hür ens, du bruchs doch janet op Röngfleesch un op BSE opzopasse. Wo du dies Johr kalendarisch 50, ävver biologisch mindestens 80 jewoode bes, kanns du esse, wat du wells. Bevür dat bei dir wirk, lies du ald längs en Abrahams Schoß.

Buur : Jetz es et ävver bahl jood, du schiefjeschminkten Rauhaardackel!

Trien : Jemach, jemach, mein Nerzschwänzchen! Du solls dir leever ald ens bei däm Masuth av un zo Moorbäder verschrieve losse.

Buur : Moorbäder? Ich ben kernjesund, du bonkbemolte Wunderkääz! Wat soll dat?

Trien : Domet du dich ald ens an die feuchte Ääd jewänne deis.

Buur : Mein liebes Mirabellenmündchen! Dä eenzije Ongerscheed zweesche dir un eener Koh es dä, dat du nur eemol en et Jras bieß.

Trien : Ach nä, wat bes du wedder freundlich. Als mir jehierot han, do wor dat noch janz anders. Do han mer os noch verdrage. Mer woren nämlich esu ärm, mer hatten nöx. Un dat mieste dovon han mer höck noch. Mir woren wirklich esu ärm, mer han eijentlich nur wäjen däm Ries jehierot.

Buur : Ries konntste jo och jrad noch koche. Ävver ansönste? Dat einzich joode, wat ich övver ding Kochkunst und ding Esse sage kann es, dat et mich nöx kost.

Trien : Hallo, du Dornkaatkiller! Mein bestes Kochrezept liegt bei der Kreissparkasse em Tresor.

Buur: Du moss ävver och dozo sage: Net domet et jeklaut weed oder eene andere dat nohkoch. Ich han dat enjeschlosse, domet du dat net noch eemol kochs. Suwieso, die schönste Zick in unserer jemeinsamen Ehe wor dat halve Johr Kriegjefangenschaft en Sibirien.

Trien : Sag, wat häs du eijentlich do bovven am Kopp jemaat?

Buur : Dat frochs du schinghellije Schabrack noch? Dat es von letzte Weich, wo ich dir noh eenem wunderschöne Ovend met oserem Hein hee bei Willkens medden en dä Nach jäjen d'r Melkemmer jeloofe ben.

Trien : Un bes de schwer verletz?

Buur : E Looch han ich em Kopp, du Bankrottschrubber. E richtich Looch!

Trien : Un häste et met Pflaster joot zojeklääf?
Wor richtig, bei Autos nennt mer su jett Hohlraumversiegelung.

Buur : Frau, nu versök doch ens dein unendlich lockeres Maulwerk ze bremse.
Jläuvst du, wenn du dich als Nervensäch bewerbe wüds, du wüds janeet jenomme, denn du wörs övverqualifiziert.
Übrijens, Trien, letzte Sommer, dat wor mir jo peinlich, nee wat wor mir dat peinlich.

Trien : Meenste dat met Wirtze Christine?

Buur : Jewiß, jewiß!

Trien : Marjajorem, jetz fängk dä ald wedder met däm Spell an. Weeste eijentlich och wie dat "Jewiß, Jewiß" auf Ruhrjebietshochdeutsch heeß?

Buur : Enä!

Trien : Sicher, sicher!

Buur : Nee ävver met Christine! Do jratulieren ich däm zo eener joot jelungene Schönheitsoperation, un drei Dach später woren die Wespensteich wedder avjeklonge.
Trien, ich wor fruh, dat dat mich net anjezeich hät. Ich söß höck bestemmt noch em Klingelpötz.

Trien : Och mein klein Königstiger, dovür küss du höckzedach net en et Jefängnis. Do moss du ald … z. B. Pastur em Schloof en Pläät rasiere.
(Zum Publikum) Ävver ejal wä et dät, ich zahle die Kaution.

Buur : Sag Trien! Weeß du eijentlich, woröm se dä Rattenmüller noh Sindörp jelosse han?

Trien : Enä, ävver du wiss et mir jetz sage.

Buur : Dä hat däm KV versproche, dat hä en Doktorärbeid övver Pastur schrieven wollt: "Heintje, das Image eines niederländischen Landpfarrers in den Niederungen der Erft. Untertitel: Vom Niederländer zum Highländer."

Trien : Övver os Hein well dä en Doktorärbeid schrieve? Wenn mer sich dä Chefdisponent der hiesijen Pastoralaktionswochen – koot: Pastur – wenn mer sich dä also ens jenauer beluurt, wie dä met singer kleen Beincher wie eene bengalische Bonsai-Tiger övver de Kerpener Stroß schleich, dann denks de wenijer an en Doktorärbeid als an: "Doktor! Ärbeid!"

Buur : Ja Pastur han ich letzte Weich met mingem Wännche metjenomme. Hä moot jo nu unbedingt sing Flasch Jenever met eenem kleene Fuhrmannshalve metnemme. Wie mir zwei nu övver die popojlatte Kerpener Stroß ruckele und von einem Schlagloch en et andere falle, hat Hein Angks, hä künnt jet verschlabbere.

Trien : Meenst du eventuell met Jenever dä holländische Messwing?

Buur : Jewiß, jewiß!
Nu jevv ach! Ausjerechnet en däm Moment kütt Kaselows Jriet met ihrem neueste Ascot-Sombrero doherre jeschlap. Weil mingen Drekkes ävver sing Jlas net stell halde kunnt, reef Jriet quer övver de Stroß noh Müllers Ferdi erövver: "Luuren se mal, Herr Fleurop, Pastur spellt ald wedder ens Papst!"

Trien : Wo du jrad Fleurops Ferdi sähs. Et Sozialministerium hät en eener Studie erusjefonge: "Je dümmer die Mütter, desto dicker die Kinder!"

Buur : Trien, wenn du mir noch eemol Ferdi sing Mamm beleidigs, dann hauen ich dir e paar hinger de Uhre!"

Trien : Ich han übrijens e Boch jeschrivve, einen theologischen Bestseller, die Bibel, Teil 2.

Buur : Un womet fängk dä Schmöker an?

Trien : "Die Erschaffung der Welt". Soll ich dir ens jett vürlesse?

Buur : Jewiß, jewiß!

Trien : Kapitel 1: Mit Sindorf fing alles an.
Im Anfang schuf Jott Himmel und Erde und als eetstes davon den Nabel der Freude, das Zentrum der Karnevalisten, Sindorf. Wie dä Herjott nu esu an dä Erft soß, met Bleck Richtung Autobahn …

Buur : Du doll Schlotter do, em Anfang jov et doch noch jar keen Autobahn.

Trien : Schnauze! Em Anfang jov et die och net, ävver ald vür däm Anfang!
Also, wie dä Herrjott nu esu an dä Erft soß, met Bleck Richtung Autobahn, do hät hä aus Sindorfer Erde und Wasser von dä Erft eene Sindörper noh däm andere zesammejematsch. Jedesmol wenn hä fädig wor, jov hä ihm eene op de Fott, un schon leef dat Männche, FC-Leeder singend, no Sindörp.
Un alle Fijürcher, die nix wohten, warf der Herr über seine rechte Schulter (Pause). So entstand Horrem!

Buur : Trien, net janz esu schlemm wie die Horremer sen die Niederländer. Die han sich esu jar flöcker entwickelt als die Neandertaler. Eja die woren die eetste, die bei dä Jach ihr fahrbare Höhle metjenomme han.

Trien : Hallo Neandertaler. Die letzte Volkszählung erjab: Ihr hat jetz eene Welde wenijer. Dä Scherzartikel Jottes es back to Erftkreis!

Buur : Trien, darf ich noch eine Botschaft an meine Jeburtsstadt richten?

Trien : Sicher, sicher!

Buur : Liebe Hürther, als ich vor 50 Jahren auf eurem Sprengel jebooren wurde, war bei euch die Welt noch in Ordnung. St. Katharina war bis zum Jahr 2000 eine Pfarrei gläubiger, arbeitsscheuer, aber der Kirche gegenüber immer treu ergebener Christen. Dann kam ein Hirte des Weges daherjeschlappt, der eine unendliche Geschichte seiner Karriere zu erzählen weiß. Sein Leben war geprägt vom steten Abstieg. Von der Metropole Köln(-Dellbrück) über die Kreisstadt Bergheim führte sein Weg über die Karnevalshochburg Sindorf nach 'Ihr-wisst-ja-schon", eine Stadt, deren Name kein zivilisierter Rheinländer auszusprechen wagt. Als nächste Seelsorgestelle hätte ich – um den Abstieg fortzusetzen – eijentlich mit Horrem gerechnet. Aber da, wo er jetzt gelandet ist – so muss man jetzt vermuten und ich bitte euch, liebe Hürther, haltet ihn bei euch aus – also bei euch kann er eigentlich nur geparkt werden, um demnächst als Hausgeistlicher bei Big Brother enzotrecke.

Trien : Ävver eens dat roofen mir üch zo:

Buur : Mer han noch nix övver Majretche verzällt.

Trien : Un wat jitt et do zo verzälle?

Buur : Ha, Majretche weed Rennkamel!

Trien : Sicher, sicher! – Eh, wat weed Majretche?

Buur : Mejretche weed Rennkamel! Jo, han ich letztens em ECHO jelesse: "Sindorfer Küsterin erfüllt sich langersehnten Traum als Renntier in Marokko!"

Trien : Du bes wirklich BSE-jeschädigt. Dat heeß net Renntier, sondern Rentier!
Ävver met Marokko, dat stemmt. Nur Pastur hät se jesaht, se jing die Famillich von ihrem Schwiejersonn ens besöke.
Ävver em Kommunikationscenter von de Flore, bei Müllers Ferdi, do säht letztens Tüchens Karin esu janz em Vertrauen un sei sollt och jo nix wiggerverzälle, denn sie wöss net jenau ov et stemme dät oder ov et nur wahrscheinlich wör, also Tüchens Karin säht quasi hönger de Hand zo Wirtze Christine, dat Majretche sich en Marokko als Rentier jet nevvenbei verdeene wollt.

Buur : Un wie ich Christine kenne, hält die 'Marokko' vür een Weetschaft en dä Altstadt von Kölle.

Trien : Sicher, sicher!
Ävver wie os Christine dat nu om letzte Elternsprechdach von dä Ulrichscholl esu janz diskret an e paar hondert Eldere wigger verzällt hat un et dann op janz schwierije Wäch endlich bei singer Nohberschaf, denne Ritters jelandet wor, un nohdem die dat dann om Kirchhoff den lebenden Exemplaren des Kerpener Stadtblatts – natürlich nur unter strengster Jeheimhaltung - preisjejeben hatten, wossten mer endlich, wat Majretche en Marokko welle könnt.

Buur : Jitt et denn en Marokko en dä Moschee och Sakristeie?

Trien : Nöx Sakristei. Et könnt möchlich sen, dat Majretche bei Nach und Nevvel jetarnt unter dem Vorwand der Vorbereitung der Adventsfrühschichten bei Siegers Roswitha heimlich eene Kurs em Bauchtanz jemaht hät und jetz bei Scheich Abdullah Muhammed ibn Jsuip Dawud al Wieland em Harem anfängk.

Buur : Ävver eens dat roofen mir üch jetz zo:

Trien : Maht üch höck Ovend noch vell Spaß und Freud

Buur : Denn et Levve duert kein Iwichkeit.

Buur/Trien: Alaaf!“

Ausschnitt aus:
„Jecke lossjelosse. Karneval in Kerpen. Katalog zur gleichnamigen Austellung im Kerpener Rathaus und im Haus für Kunst und Geschichte, bearbeitet von Susanne Harke-Schmidt. Kerpen 2003

 


Anmerkungen:
Gabriele John, „Die Carnevals-Lustbarkeiten betreffend…“ Spuren eines Festes vor der Gründung von Karnevalsvereinen. In: Niederwupper – Historische Beiträge. Themenheft Karneval, H. 16, 1997, S. 16-31. Sammlung der Gesetze und Verordnungen, welche in dem vormaligen Churfürstentum Cöln […] ergangen sind vom Jahre 1463 bis zum Eintritt der Königlich Preußischen Regierung im Jahr 1816, zusammengetragen und herausgegeben von J.J. Scotti, Düsseldorf 1830. Dort finden sich unter den Stichworten Fastnacht und Maskeraden (Carneval ist nicht genannt) drei Reglementierungen: zwei des Arnsberger Landdrosten aus den Jahren 1645 und 1656 sowie eine vom Kölner Erzbischof aus dem Jahr 1757.
Juan Antonio Vilar Sanchez, „Kerpen y Lommersum, exclaves brabanzones en el Sacro Imperio Germánico“. Granada und Nijmwegen, 2000. Unveröffentlichte Übersetzung von Gottfried Kallrath. Die umfassende Dissertation von Vilar Sanchez umfasst die Epoche der spanischen Herrschaft in Kerpen, also die Zeit von 1516-1713. Vilar Sanchez hat für diese Zeitspanne alle relevanten Archivalien zur Kerpener Geschichte eingesehen und keine Hinweise auf Karneval entdeckt.
Kreisarchiv Viersen, Archiv Schaesberg, Nr. 2032.
In den bislang erschlossenen Akten, insbesondere den Brüchtenprotokollen des Kerpener Gerichts – der Bestand der Akten ist im Stadtarchiv überliefert – und der Gerichte in Sindorf und Hemmersbach – die Protokolle sind im Archiv Burg Hemmersbach, ebenfalls im Stadtarchiv Kerpen überliefert – finden sich keine Hinweise auf Feiern, die die öffentliche Ordnung gefährdeten.
Stadtarchiv Kerpen, Gericht Kerpen, Nr. 209.
Stadtarchiv Kerpen, Amt Kerpen, 1947.
Stadtarchiv Kerpen, Archiv Burg Hemmersbach der Gräflich Berghe von Trips’schen Sportstiftung zu Burg Hemmersbach, Karten 14.6, 14.7, 14.9, 14.10
Kreisarchiv des Erftkreises, Bergheimer Zeitung – zunächst „Intelligenzblatt für den Kreis Bergheim und den Landkreis Cöln, 1863 ff.
a.a.O., Bergheimer Zeitung, 21.01. 1863.
Stadtarchiv Kerpen, Depositum der Kolpingsfamilie Kerpen, Protokollbuch, 1869-1950.
Die im nachfolgenden Text zitierten Annoncen der Vereine und Gastwirte stammen aus der im Archiv des Erftkreises überlieferten Bergheimer Zeitung.
Heute Stiftsplatz 4-5. Vgl. Volker H.W. Schüler, Hotel Brand und die Waldschenke im Parrig. Ein Beitrag zur Kerpener Stadtgeschichte. In: Kerpener Heimatblätter, Band 8, 1/2000, S. 27 ff.
Im einzelnen werden die Männer-Gesang-Vereine von Kerpen, Manheim und Türnich-Balkhausen, der Gesangverein Cäcilia Sindorf, der Gesangverein Euphonia Habbelrath, die Instrumental-Vereine Sindorf Buir und der Turnverein Horrem.
Stadtarchiv Kerpen, Amt Kerpen, Nr. 603: Meldung der Gemeindeverwaltung über die „öffentlichen Lustbarkeiten“ der Vereine vom 20.02.1889.
Im Stadtarchiv sind hierzu Akten der Verwaltungen in Türnich mit Balkhausen, Brüggen, Bottenbroich, Grefrath und Habbelrath, Kerpen mit Mödrath und Blatzheim sowir Buir mit Manheim überliefert. Für Horrem sind bis in die 1920er Jahre keine Akten überliefert.
Stadtarchiv Kerpen, Gemeinde Türnich, Nr. 99a.
Stadtarchiv Kerpen, Amt Kerpen, Nr. 603.
Mehr Informationen zu den ersten KG’s im Stadtgebiet folgt in Kapitel 4: „Ulkmänner, Kömmet Keene und Co.“ Dort sind auch im einzelnen die konkreten Quellenangaben zu finden. Allgemein finden sich die Nachweise zu den KG’s entweder in der Bergheimer Zeitung oder in den Akten des Stadtarchivs Kerpen. Die Gesellschaften selbst verfügen nicht über eigene Nachweise aus ihrer Gründungsphase.
Stadtarchiv Kerpen, Amt Kerpen, Nr. 603: Gesuch der KG vom 10.02.1896.
a.a.O.
Stadtarchiv Kerpen, Amt Kerpen, Nr. 603: Antrag der Narrenzunft vom 11.02.1899.
Stadtarchiv Kerpen, Gemeinde Türnich, Nr. 191. Antrag vom 15.02.1901.
Stadtarchiv Kerpen, Depositum der Kolpingsfamilie Kerpen, Protokollbuch, 1869-1950, hier 1901-1912.
Heute die „Glocke“, Stiftsstraße/ Neustraße.
Stadtarchiv Kerpen, Amt Kerpen, Nr. 603, Flugblatt und Schreiben vom Februar 1901.
80 Jahre krütz un quer durch den Horremer Fasteleer. Festschrift zum 80jährigen Jubiläum der Großen Horremer KG. Horrem 1988.
Archiv des Erftkreises, Bergheimer Zeitung, 20.02.1909.
Gemeinde Türnich, Nr. 249, Anträge von Januar und Februar 1911.
Stadtarchiv Kerpen, Amt Buir, Nr. 439; Amt Kerpen, Nr. 605.
A.a.O.
Stadtarchiv Kerpen, Depositum der Kolpingsfamilie Kerpen, Protokollbuch, 1869-1950, hier 1919-1924.
Stadtarchiv Kerpen, Gemeinde Türnich, Nrn. 85, 86, 263.
Stadtarchiv Kerpen, Gemeinde Türnich, Nr. 72.
Vgl. Archiv des Erftkreises, Bergheimer Zeitung, 1877 ff.
60 Jahre Rötsch mer jett Sindorf-Sehnrath vun 1929. Festschrift zum Jubiläum. Sindorf 1989.
Stadtarchiv Kerpen, Amt Kerpen, Nr. 611.
A.a.O., Nr. 612.
A.a.O.
a.a.O., Vgl. Amt Buir, Nr. 68 und Amt Kerpen, Nr. 1504.
A.a.O., Amt Kerpen, Nr. 1938.
A.a.O., Nr. 1937.
A.a.O.,Nr. 5571.
Ralf Bernd Assenmacher/ Michael Euler-Schmidt/ Werner Schäfke, 175 Jahre ... und immer wieder Karneval, herausgegeben vom Festkomitee des Kölner Karnevals von 1823 e.V. Köln 1997, S. 90.
25 Jahre Karnevalsgesellschaft Rut-Wiess Balkhausen-Türnich. Festschrift zum Jubiläum. Türnich 1971.
4 x 11 Jahre jung und weiter geht’s mit frischem Schwung. Festschrift der KG Fidele Jungen Sindorf. Sindorf 1990.
Festbuch anläßlich der Gründung der Prinzengarde Kerpen der KG Jood Jonge. Kerpen 1951.
Die Fahne befindet sich im Privatbesitz.
Stadtarchiv Kerpen, Amt Kerpen, Nr. 5447.
A.a.O., Nr. 5448, Schreiben des OKD vom 24.06.1948.
A.a.O., Nr. 5010.
Zum Amt Kerpen gehörten zu diesem Zeitpunkt nicht nur Kerpen, Mödrath und Langenich, sondern auch Buir und Manheim.
Stadtarchiv Kerpen, Amt Kerpen, Nr. 5315.
Stadtarchiv Kerpen, Amt Kerpen, Nr. 5010.
A.a.O.
A.a.o.
a.a.O. , Nr. 5447
Hermann-Josef Baum überließ dem Stadtarchiv die in seinem Besitz befindlichen Fotos von den Wagen und gab die entsprechenden Informationen.
Der seinerzeitige Initiator des Kinderzuges, der Schulleiter Konrad Honings, veröffentlichte 1994 in den Kerpener Heimatblättern einen Beitrag über die Geschichte des Sindorfer Kinderzuges, der hier verkürzt wiedergegeben wird. Vgl. Konrad Honings, Der Sindorfer Kinderzug – Tradition seit 1953. Wie die Volksschule in Sindorf den Straßenkarneval wieder aufleben ließ. In: Kerpener Heimatblätter, 3/1994, S. 335 ff. Ergänzt wird der Beitrag durch Anmerkungen seines Nachfolgers Gerhard Hund aus dem Jahr 2002.
Hildegard Brog, Was auch passiert: D’r Zoch kütt! Die Geschichte des rheinischen Karnevals. Frankfurt 2000, S. 137 ff.
Vgl. auch Birgit Immisch, Frauen und Weiberfastnacht. In: Geliebt – geschmäht – geehrt. Frauen in der Kerpener Geschichte. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kerpener Rathaus. Kerpen 1993, S. 139 ff.
Hildegard Brog, a.a.O., S. 153.
Gertrdu Straßfeld war schon seit 1933 Leiterin der Frauenkongregation, der Vorläuferin der heutigen Katholischen Frauengemeinschaft. Sie war außerdem die erste Frau des Stadtgebietes in einem kommunalen Parlament. Vgl. Susanne Harke-Schmidt, Gertrdu Straßfeld, Kommunalpolitikerin in Horrem, 1888-1968. In: Geliebt – geschmäht – geehrt. Frauen in der Kerpener Geschichte. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kerpener Rathaus. Kerpen 1993, S. 213 ff.
Vgl. auch Birgit Immisch, Frauen und Weiberfastnacht. In: Geliebt – geschmäht – geehrt. Frauen in der Kerpener Geschichte. Katalog zur gleichnamigen Ausstellung im Kerpener Rathaus. Kerpen 1993, S. 149 ff. Außerdem: Unterlagen von Jodo Stein, Kerpen-Manheim.
Kölner Stadt-Anzeiger vom 15.02.2000.
Bibliothek des Heimatvereins im Haus für Kunst und Geschichte, GK 3.2, Januar/Februar 1976.
Stadtarchiv Kerpen, Depositum der Kolpingsfamilie Kerpen, Protokollbuch, 1869-1950.
Die Informationen über die Sitzung der Pfarre St. Maria Königin Sindorf entstammen den Unterlagen von Rektor Philipp Börsch, der alle Sitzungen seit 1984 dokumentiert hat.
Kölnische Rundschau vom 12.11.2001.